Nazim Sajawal Jokhiyo, * Pakistan, ermordet 2021 Pakistan

Nazim Jokhiyo war ein Amateur-Videoreporter aus der Nähe von Karachi, der Hauptstadt der südpakistanischen Provinz Sindh.  Ihm wurde zum Verhängnis, dass er  Videos über illegale Jagdausflüge für arabische Würdenträger aus dem Golf veröffentlicht hatte.

„Ich bin nicht verängstigt. Ich bekomme Drohungen und werde mich nicht entschuldigen“, sagte Nazim Jokhiyo in einem Video, das am 3. November 2021 gegen 14.30 Uhr in Malir, einem Bezirk in den östlichen Vororten von Karatschi, ins Internet gestellt wurde.

Jokhiyo sagte weiter, er sei wegen eines Videos bedroht worden, das er ins Internet gestellt hatte. Es zeigt Wilderer, die eine Jagdgesellschaft für „ausländische Gäste“ organisiert hatten. Das Video endet damit, dass sich ein Mann der Kamera nähert, ihren Besitzer bedroht und sie an sich nimmt.

Jokhiyo hatte das Video mit dem Ziel gedreht, die Aufmerksamkeit auf die Jagd auf die vom Aussterben bedrohte Asiatische Hühnertrappe zu lenken. Die Jagd auf diese Trappe ist in Pakistan offiziell verboten, wird aber wohlhabenden Würdenträgern aus den nahe gelegenen Öl -Monarchien am Persischen und Arabischen Golf gestattet. 

Zu diesem Zweck berichtete er über die Ankunft mehrerer dieser „ausländischen Gäste“ in der Ortschaft Jangshahi auf Einladung von Jam Owais Gohram Jokhiyo, einem lokalen Machthaber und Mitglied der Provinzversammlung von Sindh.

Nach mehreren Drohungen lud dieser einflussreiche Politiker den Amateur-Videoreporter Jokhiyo in sein Landhaus „Jam House“ ein, um den Streit zu „schlichten“. Jokhiyo begab sich am 2. November kurz vor Mittag dorthin. Dies war das letzte Mal, dass Zeugen ihn lebend gesehen haben.

Wenige Stunden vor dem Auffinden seiner Leiche – bedeckt mit Schlag- und Folterspuren – wurde das oben beschriebene Video ins Netz gestellt.

„Die Brutalität, mit der Nazim Jokhiyo beseitigt wurde, ist umso schockierender, als sein Mord von einem in der Region bekannten Parlamentarier geplant wurde“, sagte Daniel Bastard, Leiter des Asien-Pazifik-Büros von RSF. „Wir fordern den Ministerpräsidenten von Sindh … auf, eine unabhängige Untersuchung anzuordnen, um die Täter und Anstifter des Mordes an Nazim Jokhiyo zu identifizieren, der mit seinem Leben bezahlt hat, weil er versucht hat, seine Mitbürger über die Missstände eines lokalen Despoten zu informieren. Sein Verbrechen darf nicht ungesühnt bleiben“.

Dieser Despot, Jam Owais Gohram Jokhiyo stammt aus einer langen Reihe von Landbesitzern und ist Mitglied der Pakistanischen Volkspartei, der Regierungspartei von Sindh. Die Polizei erklärte später, sie habe zwei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, Nazim Jokhiyo zu Tode geprügelt zu haben. Diejenigen, die den Befehl dazu gegeben haben, wurden jedoch bisher in Ruhe gelassen.

Der Informationsminister von Sindh, Hussain Shah, beschränkte sich auf die Aussage, die Regierung habe von dem Vorfall Kenntnis genommen.

Nazim Jokhiyo wurde in derselben Woche ermordet, in der RSF einen Appell von Umweltjournalist*innen an die Klimakonferenz COB26 weiterleitete, die die Regierungen aufforderten, ihr Recht auf Information zu respektieren. Die Ermordung des pakistanischen Video-Journalisten fiel auf tragische Weise mit dem von der UNO anerkannten Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalisten zusammen, der jedes Jahr am 2. November begangen wird.

Nach Angaben von Freedom Network, der Partnerorganisation von RSF in Pakistan, wurde seit fast einem Jahrzehnt keiner der zahlreichen Morde an Journalisten in Pakistan bestraft.

Quelle: https://rsf.org/en/news/pakistani-amateur-video-reporter-killed-covering-illegal-hunting-protected-bird

Künstlerin: Susanne Köhler