Carl Gerlich, * 1883 Deutschland, ermordet 1934

Carl Albert Fritz Michael Gerlich, * 1883 Deutschland, ermordet 1934 Deutschland

Der deutsche Journalist und Archivar Carl Gerlich gilt als einer der wichtigsten Vertreter des publizistischen Widerstands gegen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus.

Neben seiner Tätigkeit als Historiker im bayerischen Staatsarchivdienst publizierte er zahlreiche Artikel zu antisozialistischen und völkisch-deutschkonservativen Themen in den SÜDDEUTSCHEN MONATSHEFTEN, der von ihm gegründeten Wochenzeitschrift DIE WIRKLICHKEIT und den HISTORISCH-POLITISCHEN BLÄTTERN FÜR DAS KATHOLISCHE DEUTSCHLAND. 1917 war er aktiv in der „Deutschen Vaterlandspartei“, in der Nachkriegszeit engagierte er sich gegen die Münchner Räterepublik. Von 1920 bis 1928 war er Chefredakteur der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN  (MNN), in deren Nachfolge sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG  selbst sieht. Finanziers aus der rheinischen Schwerindustrie, die die MNN übernommen hatten, waren auf den rechten Publizisten Gerlich aufmerksam geworden und vertrauten ihm die Leitung der MNN an. In der Redaktion pflegte er einen kollegialen Arbeitsstil und korrigierte auch seine eigenen Leitartikel nach Kritik der Redakteure. 

1923, mit dem Hitlerputsch, wandelte sich Gerlich von einem eher national-autoritär gesinnten Sympathisanten der nationalsozialistischen Bewegung zu einem engagierten Kritiker und Gegner Adolf Hitlers. Seine Ablehnung des Totalitarismus gründete sich auf das Naturrecht als Menschenrecht. Zudem hatte Gerlich 1927 die Bekanntschaft von Therese Neumann, der Mystikerin von Konnersreuth, gemacht, die ihn zum Widerstand gegen die Hitler-Partei ermunterte. Ursprünglich wollte er den „Schwindel“ ihrer Wundmale entlarven, doch er kam als Bekehrter zurück und konvertierte 1931 zum römisch-katholischen Glauben. 1928 schied nach Auseinandersetzungen mit der Verlagsleitung bei den MNN aus. Gerlich war impulsiv und jähzornig, wobei er nicht nur in der Redaktion handgreiflich und ausfallend wurde. Dort warf er beispielsweise in betrunkenem Zustand ein Bierglas nach dem Verlagsdirektor und beschimpfte den Seniorchef. Sein Verhalten führte auch zu Beleidigungsklagen und zur Trennung von seiner Ehefrau, die seine Wutanfälle nicht mehr ertrug.

Im August 1929 wechselte Gerlich wieder in den Archivdienst. 1930 übernahm er die Herausgabe und Chefredaktion der katholischen Zeitschrift ILLUSTRIERTER SONNTAG (finanziert durch den Fürsten Erich von Waldburg-Zeil, den er aus Konnersreuth kannte), die sich konsequent gegen Hitler und die NSDAP wandte. Fritz Gerlich schrieb einmal: „Nationalsozialismus heißt: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not.“ Die Zeitung wurde auch durch Preisausschreiben und sich an den Geschmack der breiten Masse wendende Artikel populär und erreichte Auflagen von mehr als 100.000. Die Schlagzeilen erschienen in roten Lettern.  Gerlich bediente sich einer eindeutigen Sprache. Es wurde in derselben Druckerei gedruckt wie der VÖLKISCHE BEOBACHTER, wobei es zu häufigen Begegnungen von Gerlich und Hitler kam. Nach einer Schlagzeile, in der er die Nationalsozialisten „Hetzer, Verbrecher und Geistesverwirrte“ titulierte, bekam Hitler einen Wutanfall und verlangte ultimativ, dass der Drucker Gerlichs Zeitung kündigte. Gerlich wechselte zu einer katholischen Druckerei und nannte die Zeitung seit1932 um in  DER GERADE WEG – DEUTSCHE ZEITUNG FÜR WAHRHEIT UND RECHT.

Bis zum Schluss warnte Gerlich vor der Gefahr und den Folgen einer „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten und versuchte sie zu verhindern. Eindringlich, aber vergebens mahnte er: 

„Ihr, die ihr diesem Betruge eines von der Gewaltherrschaft Besessenen verfallen seid erwacht ! Es geht um Deutschland, um Euer, um Eurer Kinder Schicksal.„

Trotz Warnungen und dem Angebot von Kollegen, ihn in die Schweiz zu retten, blieb er in der Redaktion. Er wollte sie nicht im Stich lassen. Am 9. März 1933 wurde er in den Redaktionsräumen des GERADEN WEGS von einem SA-Trupp misshandelt und auf schwerste Weise gefoltert: ein SA-Mann sprang im Münchner Polizeipräsidium mit voller Wucht auf seine Hände, damit er nie wieder schreiben konnte. Er blieb fast 16 Monate in München in „Schutzhaft“. Gerlich selber war klar, dass man ihn ermorden wollte, wie er einem Mitgefangenen gegenüber äußerte, da er zu viel wusste. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde er im Zusammenhang mit dem so genannten Röhm-Putsch ins KZ Dachau verlegt und dort erschossen.

Quelle: Wikipedia

Künstlerin: Susanne Köhler