David Janzen,  * 1973 Deutschland, 2019 attackiert und bedroht

David Janzen,  * 1973 Deutschland, 2019 attackiert und bedroht

David Janzen ist Sprecher des „Bündnisses gegen Rechts“ in Braunschweig. Seit Jahren arbeitet er außerdem als Fachjournalist zur rechtsextremen Szene, unter anderem für den „Störungsmelder“ von ZEIT ONLINE.

Janzen hat mehrfach Drohungen aus der rechtsextremen Szene erhalten. Im Juni 2019 waren Aufkleber an die Wohnungstür des Mehrfamilienhauses, in dem Janzen mit seiner Familie lebt, geklebt worden. Sie zeigen einen Schlagring, das Logo der neonazistischen Kampf- und Sportgemeinschaft „Adrenalin Braunschweig“. Neben den Aufklebern wurde die Drohung „Wir töten dich! Janzen“ geschrieben. 

In einem Video auf INSTAGRAM hatte der stadtbekannte Rechtsextremist Lasse Richei in Anlehnung an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) mit „Heute Walter, morgen Janzen“ gedroht. Im Oktober 2019 wurde die Tür von Janzens Haus beschmiert und Chemikalien in seinen Briefkasten gekippt.

Im November 2019 mobilisierte die NPD zu einer Demonstration nach Hannover, die sich gegen die Arbeit von drei Journalisten richtet – David Janzen, Julian Feldmann und André Aden. Janzen wurde auf dieser Demonstration von Rechtsradikalen attackiert.

Im Mai 2020 bekam der Journalist ein Paket nach Hause geschickt – mit einem Schweinskopf darin. Das Paket war an Janzen und seine Familie adressiert. Janzen informierte sofort die Kriminalpolizei. Ein Beamter erklärte Janzen am Telefon, dass er darin keine Bedrohung sehe. Dass der Vorfall im Zusammenhang mit vorherigen Bedrohungen aus der rechten Szene stehe, hatte den Beamten nicht überzeugt. Erst als der Journalist damit drohte, sich an den Innenminister zu wenden, lenkte der Kriminalbeamte ein.

Zwei Beamte befragen Janzen später und nahmen die Anzeige auf. Die Spurensicherung nahm das Paket mit, liessen den Schweinskopf aber bei Janzen.

Janzen kritisiert, dass derartige Fälle von der Polizei oftmals nicht ernst genommen würden. „Meine Erfahrung ist, dass es kaum Empathie und Verständnis für Betroffene gibt“, sagt er der TAZ (die Tageszeitung). Janzen beschrieb, dass die Neonazis ihn im Blick hätten: „War das eigentlich dein Kind, mit dem wir dich gestern beim Einkaufen gesehen haben?“

Neonazis wendeten bei Journalist:innen eine Zermürbungstaktik an. „Die massive Bedrohung entsteht ja, weil solche Vorfälle alle paar Wochen und Monate passieren“, sagt Janzen. Diese Zusammenhänge würden von Polizei und Justiz allerdings selten gesehen werden.

Janzen schreibt, dass die öffentliche Aufmerksamkeit mittlerweile groß sei, Landtags- und Bundestagsabgeordnete solidarisierten sich mit ihm.

Über 450 Journalist:innen und Medienschaffende verurteilten die Drohungen und Anschläge auf  Journalist:innen und forderten Maßnahmen zum Schutz der Pressefreiheit. Sogar wildfremde Menschen würden sich bei David Janzen melden und anbieten, dass er mit seiner Familie bei ihnen unterkommen könne. Alle diese Signale seien für ihn und seine Familie sehr wichtig. Sie gäben das Gefühl, dass sie nicht allein seien.

Quellen: https://taz.de/Drohungen-gegen-Journalisten/!5685763/

„Wir töten dich!“

https://www.blickpunkt-wiso.de/post/aufruf-schuetzt-die-pressefreiheit–2341.html?q=feed

Künstlerin: Susanne Köhler