Lesther Alemán, * 1998 Nicaragua, untergetaucht seit Mai 2018

Lesther Alemán, * 1998 Nicaragua, untergetaucht seit Mai 2018

Lesther Aleman studiert Journalismus in Managua. Seit Mai 2018 hält er sich aus Angst um sein Leben versteckt.

Der 20-Jährige war 2018  zu einer Schlüsselfigur einer von Studenten geleiteten Bewegung geworden. Beginnend mit 4-wöchigen Protesten richtete sie sich gegen die unzähmbare Macht des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega. Gewälttätige Repressionen folgten.

Alemán ist Mitglied derUniversitätskoalition „Alianza Civica“, die die Proteste organisiert.

„Aleman wurde wegen seiner Courage in ganz Nicaragua bekannt, weil er beim ersten Dialogversuch zwischen „Alianza Civica“ und der Regierung…  gegen Ortega aufstand, ihn zum Abdanken aufforderte: „Senor Presidente, das hier ist kein Dialogforum, hier geht es darum, Ihren Rückzug zu besprechen.“ berichtet die Frankfurter Rundschau. „Und ganz Nicaragua sah ihm dabei live im Fernsehen zu. „4 Stunden später bekam ich die erste Drohung… Die Regierung hat ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt.“ „

Seither ist er der Held der Protestbewegung.

Alemáns Eltern leben in einer armen Gegend von Managua und haben ihren Sohn danach nur einmal gesehen. Inzwischen hat er sie außer Landes geschafft.

Alemáns Mutter sagt, dass ihr Sohn schon in jungen Jahren Diplome in der Schule erhielt, weil er in seinen Studien hervorragende Leistungen erbracht hatte.

Für Frédéric Coppens von der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit ist Nicaragua ein typisches Beispiel für nicht nachhaltige Entwicklung: Wirtschaftlich sei das Wachstum Nicaraguas seit 2008 beneidenswert gewesen. Doch Jahr für Jahr sei das Gleichgewicht im Bereich der Menschenrechte und der Umwelt in Schieflage geraten.

Quellen : Univision.com/jetzt, Frankfurter Rundschau, wikipedia

Verlauf der Proteste: Im April 2018 beschloss die Regierung Präsident Ortega aufgrund von Forderungen des IWF, die Rechnung der Sozialversicherung mit einer fünfprozentigen Kürzung der Renten zu entlasten, was umgehend Demonstrationen in praktisch allen Städten des Landes auslöste. Zu deren Niederhaltung verwendete die Polizei scharfe Munition, auch traten nächtliche Unruhestifter und Freischützen in Aktion. Schon im April wurden mindestens 26 Menschen getötet. Auch die Studenten der für eine Domäne der FSLN gehaltenen staatlichen Hochschulen wandten sich gegen die Regierung. Der „Volks-Präsident“ wollte daraufhin (ausschließlich) mit den Unternehmern des Landes verhandeln, was diese aufgrund der Repression ablehnten. Zunehmend kam es auch zu Demonstrationen gegen den korrupten Clan um den Präsidenten. Proteste gegen willkürliche Enteignungen bei der Vorbereitung des Nicaragua-Kanals kamen dazu. Die angekündigte Sozialversicherungsreform wurde zurückgenommen. Unabhängigen Fernsehsendern erteilte das Regime während der Unruhen ein Sendeverbot, auch Journalisten gehörten zu den Todesopfern. Die Demonstrationen hielten wochenlang an und forderten beim Angriff durch regierungsnahe Aktivisten auf die von protestierenden Studenten besetzten Universitäten auch weitere Tote. Nach knapp einem Monat erreichte die Anzahl der Getöteten laut der Inter-American Commission on Human Rights (IACHR) 76 Todesopfer. Hunderttausende gingen am 30. Mai in verschiedenen Städten auf die Straßen und erstmals nahm Ortega deren Anliegen überhaupt in den Mund: als er seinen Rücktritt ausschloss. Wieder kam es zu Toten.

Amnesty International klagte die Regierung an, die Toten bewusst in Kauf zu nehmen. Bis Mitte Juni war die Anzahl der Toten auf 180 gestiegen.

Die Bischofskonferenz hatte vorgezogene Neuwahlen als Lösung für die Krise vorgeschlagen und teilte mit, die Regierung sei „überraschend“ auf ihren Vorschlag einer unabhängigen Untersuchung zur Ermittlung der Verantwortlichen der Gewaltakte eingestiegen. Die Bischöfe brachen die Gespräche jedoch ab, weil Ortega die wichtige Zusage der Einladung internationaler Organisationen nicht eingehalten hatte.

Als nach Angaben der OAS bereits 250 Menschen getötet worden waren, rief UNO-Generalsekretär Guterres im Juli das erste Mal und eine Woche danach erneut zum Ende der Gewalt auf. Die „Verschwundenen“ waren in diesen Opferzahlen nicht eingerechnet, womit die Zahl der Getöteten plausibel auch mit gegen 400 geschätzt wurde. Das Regime peitschte im Eilverfahren ein neues Gesetz durch, mit welchem gemäß der Protestnote des UNO Hochkomissariat für Menschenrechte (UNHCHR) auch „friedlicher Protest als Terrorismus bestraft“ werden kann. Im Juli nahmen tausende Menschen an einem fast 7 Kilometer langen Protestmarsch zur Kathedrale in Managua teil, um ihre Solidarität mit Kirchenvertretern zum Ausdruck zu bringen, die zuvor bei der Vermittlung im Konflikt zwischen die Fronten geraten waren.

Ein Symbol des Widerstandes wurde die Kirche la Divina Misericordia mit ihren Dutzenden von Einschusslöchern, nachdem Sicherheitskräfte mit scharfer Munition gegen unbewaffnete Studenten vorgegangen waren. Weltweit wurde auch über Mitarbeiter von Krankenhäusern berichtet, die offensichtlich deshalb entlassen worden waren, weil sie Demonstranten versorgt hatten.

Eine Arbeitsgruppe des UNO Hochkommissariats für Menschenrechte mit einem Mandat der UNO Generalversammlung wurde von Ortega Ende August aus dem Land geworfen, weil sie die „unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt“, manchmal außergerichtliche Hinrichtungen, das „Verschwindenlassen“ von Menschen sowie „Folter und Misshandlungen“ während der Proteste angeprangert hatte.

Nach Angaben einer lokalen Menschenrechtsorganisation starben während der politischen Krise von Mitte April bis Ende September 512 Menschen und 103 der 4000 Verletzten hätten langwierige Folgeschäden davon getragen. Über 1400 Personen seien verschwunden. Die Regierung gab die Anzahl der Toten mit 199 an. Ein Anfang Oktober 2018 gegründetes Bündnis von 40 oppositionellen Gruppen, die Unidad Nacional Azul y Blanco, plante gemeinsame Aktionen, um Druck auszuüben und vorgezogene Neuwahlen und eine Reform des Justizsystems zu erreichen.

Quelle: Wikipedia

Künstlerin: Helga Grost