Zhang Miao, * 1970, 2014 für 9 Monate in chinesischer Haft, inzwischen frei

zhang miao ist eine chinesische journalistin. Sie wurde 2014 in China für neun monate inhaftiert.

Zhang Miao, * 1970, 2014 für 9 Monate in chinesischer Haft, inzwischen frei

Als Schülerin erlebte Zhang Miao, wie die Studierenden 1989 auf dem Pekinger Tiananmen-Platz in Peking für Demokratie demonstrierten. Sie wohnte in der Nähe, kam oft vorbei, um ihnen Wasser zu bringen.  Als in der Nacht zum 4. Juni 1989 die Panzer zur blutigen Beendigung der friedlichen Proteste auffuhren, passierten sie ihr Wohnhaus. Dort kann man noch heute die Einschusslöcher in der Hauswand erkennen.

Zhang Miao lebte viele Jahre in Hamburg / Deutschland, bevor sie 2012 in ihr Heimatland VR China als Mitarbeiterin der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT zurückkehrte. Sie lebte in Songzhuang, einem Künstlerdorf in der Nähe Pekings.

Miao war mit einer deutschen Kollegin und ZEIT-Korrespondentin am 24. September 2014 nach Hongkong geflogen, um zu beobachten, wie sich die dortigen Proteste für freie Wahlen entwickelten. 4 Tage später, am 28. September, schoss die Polizei erstmals mit Tränengas. Viele glaubten in dieser Nacht, Peking werde Panzer schicken wie damals 1989 auf dem „Platz des himmlischen Friedens“… In dieser Nacht in Hongkong aber kamen keine Panzer.

„Am 24. September flog ich gemeinsam mit Zhang Miao nach Hongkong. Wir wollten über die anstehenden Demonstrationen berichten. Schnell wurde klar, dass die chinesische Regierung die Proteste als politisch äußerst sensibel einstuft, sie fürchtet ein Übergreifen auf das Festland. Festlandschinesen, die Fotos von den Demonstrationen auf sozialen Netzwerken weiterleiteten, wurden festgenommen und vernommen.“ berichtete ihre Begleiterin, die ZEIT-Korrespondentin Angela Köckritz später in einem Bericht der ZEIT. „Zhang Miao musste am 1. Oktober zurück nach Peking, ihr Visum war abgelaufen. Ich bat sie, die Lage weiterhin von Peking aus zu verfolgen. Zeitungskommentare sichten, sehen, wie die normalen Menschen darüber denken.“

Am 2. Oktober 2014 befand sich Frau Zhang Miao gerade auf dem Weg zu einer Dichterlesung in Peking, die zur Unterstützung der Pro-Demokratie-Demonstrationen in Hongkong organisiert worden waren. Sie wurde von der Polizei abgefangen, geschlagen und verhaftet, wie sie selbst berichtete.

Der Journalistin wurde vorgeworfen, öffentliches Ärgernis erregt zu haben. Die Behörden erhoben jedoch später doch keine Anklage gegen sie. Neun Monate später, im Juli 2015 wurde die damals 40-jährige Zhang wieder freigelassen. Sie verlies daraufhin China.

Zhangs Bruder und ein Freund der Familie sagten, nun sei allerdings Zhangs Anwalt inhaftiert worden. Der Anwalt hatte am Donnerstag zwar gemeinsam mit Zhang in ein Pekinger Hotel eingecheckt, war aber in der Nacht von Unbekannten aus seinem Zimmer geholt worden, wie Zhangs Bruder berichtete. „Drei Menschen haben Anwalt Zhou weggebracht, sie haben seinen Kopf verhüllt“, sagte der Freund, der nach eigenen Angaben die Festnahme in einem Pekinger Hotel miterlebte. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Anwälte festgehalten wurden, damit sie keine öffentlichen Erklärungen abgeben.

Die kommunistische Führung Chinas macht für inländische Journalisten strenge Vorgaben. Chinesen dürfen nicht als Journalisten für ausländische Medien arbeiten, sondern ihnen lediglich bei Recherchen helfen.

Nach ihre Festnahme war auch die Zeit-Korrespondentin Angela Köckritz, mit der Zhang zusammengearbeitet hatte, mehrmals von der Polizei verhört und mit Konsequenzen bedroht worden. In einem Artikel dokumentierte die deutsche Journalistin, die China inzwischen verlassen hat, im Januar die Vorfälle.

Laut Amnesty International waren im vorherigen Herbst etwa 100 Aktivisten in ganz China verhaftet worden, weil sie die „Regenschirm-Revolution“ genannten Proteste in Hongkong unterstützten.

Quelle: TAZ, ZEIT online

Künstler: Uli Knörzer