Abdurrahman Gök, * 1980 Türkei, seit 2017 verfolgt und von langjähriger Haft bedroht

Abdurrahman Goek ist ein Journalis aus der Türkei. Er wird seit 2017 von Haft bedroht

Abdurrahman Gök, * 1980 Türkei, seit 2017 verfolgt und von langjähriger Haft bedroht

Abdurrahman Gök ist ein kurdischer Journalist, geboren 1980 im Dorf Kuyubaşı in der südosttürkischen Provinz Batman. Er studierte Arabisch und Journalismus und arbeitete ab 2004 für die mittlerweile verbotene DICLE NEWS AGENCY (DİHA), zunächst als Reporter, dann als regionaler Nachrichtenchef und schließlich „News Director“. 

2014 wechselte er in gleicher Funktion zu AZADIYA WELAT, der einzigen in der Türkei erscheinenden kurdischen Zeitung. Ab 2015 arbeitete er für 20 Monate als Chefredakteur für den Fernsehsender JIYAN TV, der über Satellit Sendungen in kurdischen Dialekten ausstrahlt. 2017 wechselte er als Redakteur zur Nachrichtenagentur DIHABER, bis diese von der türkischen Regierung geschlossen wurde. Danach war er wiederum 20 Monate als News Director und anschließend als Redakteur bei der Nachrichtenagentur MEZOPOTAMYA AGENCY (MA) tätig. 

Seit über 20 Jahren berichtet er als Reporter aus dem kurdischen Konfliktgebiet. Wegen seiner journalistischen Aktivitäten wurden mehrfach Strafverfahren gegen ihn geführt. 2009 z.B. wurde er verhaftet nach einem Bericht über das kurdische Neujahrsfest (Newroz) in Siirt; man legte ihm zunächst Steinwürfe auf die Polizei und dann Verbindungen zum Fernsehsender ROJ TV zur Last, dem wiederum Nähe zur als Terrororganisation eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei PKK nachgesagt wurde.

Am 16.April 2017 berichtete Gök über die Erschießung des kurdischen Studenten und Musikers Kemal Kurkut durch die Polizei beim Newroz-Fest in Diyarbakir. Mit einer Fotoserie widerlegte er die polizeiliche Behauptung eines verhinderten Selbstmordattentats. Daraufhin wurde er 2018 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt und später auch wegen Propaganda für eine illegale Organisation. Das Delikt des „Terrorismus“ kann in der Türkei mit 7 bis 20 Jahren Haft bestraft werden. Nach seiner Verurteilung zu 18 Monaten Gefängnis im Juni 2022 durch das erstinstanzliche Gericht in Diyarbakır wurde er von April bis Dezember 2023 inhaftiert. Das Berufungsverfahren ist immer noch anhängig. 

Parallel dazu wurden die Redaktionsräume von MEZOPOTAMY AGENCY in verschiedenen türkischen Städten bei Razzien mehrmals durchsucht, Arbeitsmittel beschlagnahmt und insgesamt 11 Journalist:innen über kürzere oder längere Zeit inhaftiert. Den Freigelassenen wurde z.T. ein Ausreiseverbot auferlegt. Für Gök wurde dieses Verbot bei der nunmehr zehnten Verhandlung des Strafgerichts zweiter Instanz am 26. Februar 2026 vorläufig aufgehoben. Der Prozess ist vertagt bis zum 16. Juni 2026.

Abdurrahman Gök hat für seine journalistische Arbeit mehrere Preise bekommen. Er gilt als einer der prominentesten Opfer der systematischen Kampagne des Erdogan-Regimes gegen die freie Presse in der Türkei.

In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht die Türkei an 159. Stelle von 180 Staaten. Etwa 90 % der nationalen Medien im Land werden von der Regierung und ihr nahestehenden Unternehmen kontrolliert. Kritische Berichterstattung wird mit Zensur, finanziellen Sanktionen, dem Entzug von Presseausweisen und Strafverfahren wegen „Terrorpropaganda“ verfolgt. Nach den Wahlen 2023 wurden auch Gewalt und Massenverhaftungen zu Mitteln, um Berichterstattung über Proteste und politische Versammlungen zu unterdrücken. Nach mehreren Säuberungswellen ist die Justiz nicht mehr unabhängig und weitgehend zu einem Instrument der Regierungspolitik geworden. Weitere Gesetze zur Illegalisierung von Kritik sind in Vorbereitung.

Quellen: Wikipedia-Artikel zu Abdurrahman Gök und Mezopotamya Agency, Committee to Protect Journalists (CPJ), Reporter ohne Grenzen (RSF),  www.mlsaturkey.com

Künstler: Thomas Ormond

Text: Thomas Ormond