
Long Kunthea, *1998 Kambodscha, seit 2020 wiederholt in Kambodscha im Gefängnis
Long Kunthea ist Redakteurin der Online-Nachrichtenseite MOTHER NATURE CAMBODIA, die sich vor allem mit umweltpolitischen Fragen beschäftigt.
Mit zwei weiteren Redakteur:innen dieser Nachrichtenseite, Thun Ratha und Phuon Keoreaksmey, ist Long Kunthea am 3. September 2020 von Polizeibeamten festgenommen worden. Seitdem sitzen sie wegen des Verdachts auf „Stiftung von öffentlicher Unruhe“ in Untersuchungshaft.
Kurz vor ihrer Verhaftung hatten Kunthea, Ratha und Keoreaksmey gemeinsam über die Zerstörung eines Sees in der Nähe der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh berichtet. Dort plant das kambodschanische Verteidigungsministerium laut Informationen von MOTHER NATURE den Bau einer Militärbasis. Dafür sollen rund 300 Hektar des Sees zugeschüttet werden.
Im Mai 2021 wurden Long Kunthea und seine Kolleg:innen zu 18 bis 20 Monaten Haft wegen „Anstiftung zu sozialen Unruhen“ verurteilt.
Im Juli 2024 wurden Long Kunthea gemeinsm mit Phuon Keoreaksmey und Thun Ratha in Phnom Penh erneut zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Der Grund: Verschwörung gegen den Staat. Neben ihnen wurden weitere Aktivist:innen der Gruppe Mother Nature Cambodia zu teilweise noch höheren Haftstrafen verurteilt.
Alle Verurteilten wurden in fünf verschiedene Gefängnisse geschickt, Hunderte Kilometer von ihren Wohnorten und Familien entfernt. Phuon Keoreaksmey, Long Kunthea und Thun Ratha sind zwischen 24 und 35 Jahre alt.
„Die Trennung der Aktivisten, um sicherzustellen, dass sie weit voneinander und von ihren Familien und Anwälten entfernt inhaftiert sind, ist eine grausame und ungewöhnliche Strafe, die in Kambodscha ohne Beispiel ist“, heißt es in einem Statement der kambodschanischen Menschenrechtsorganisation Licadho.
Das Urteil hatte bei vielen Menschenrechtsorganisationen weltweit Empörung ausgelöst. Im Februar 2025 lehnte ein Berufungsgericht ihren Antrag auf Entlassung ab. Am 30. April desselben Jahres lehnte der Oberste Gerichtshof ihren Antrag auf Freilassung gegen Kaution ab.
Am 1. Dezember 2025 lehnte das Berufungsgericht einen weiteren Antrag auf Freilassung ab. Das harte Urteil und die unmenschlichen Haftbedingungen haben die jungen Menschen gezeichnet.
Seit mehr als zehn Jahren setzen sich die Mitglieder von Mother Nature Cambodia mit fantasiereichen und medienwirksamen Kampagnen für Umweltschutz, Menschenrechte, Demokratie und transparente Entwicklung in ihrem Land ein. Seitdem erdulden sie Schikanen, Drohungen und Strafanzeigen.
Unter anderem verhinderten sie den Bau eines Staudamms und dadurch die großflächige Abholzung von Bäumen. Außerdem erkämpften sie ein Exportverbot für Sand – ein wichtiger Sieg im Kampf für den Schutz der Mangrovenwälder und deren Artenvielfalt.
Mother Nature Cambodia ist ein Partner der Organisation „Rettet den Regenwald“ und wurde 2023 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ (Right Livelihood Award) geehrt.
Kambodscha hat zwischen 2001 und 2024 fast 3 Millionen Hektar Waldfläche verloren, wie Zahlen von Global Forest Watch zeigen. Dabei spielt illegale Holzgewinnung eine große Rolle.
Quellen: news.mongabay.com, www.regenwald.org, www.amnesty.de, posteo.de, cambodianess.com, www.licadho-cambodia.org
Text: Gerhard Keller, März 2025
Künstler: Thomas Weiterschan
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