
Sonia Dahmani, * 1968 Tunesien, 2024 verhaftet, nach 18 Monaten unter Auflagen frei
Die tunesische Rechtsanwältin Sonia Dahmani war vor allem als Fernseh- und Radiokommentatorin bekannt. Sie setzte sich für Pressefreiheit und Menschenrechte ein, verurteilte religiösen Extremismus und Rassendiskriminierung und warnte vor einem Rückfall in autokratische Strukturen. Durch ihre regierungskritischen Kommentare war sie zu einer Symbolfigur für ziviles Engagement geworden.
Am 11. Mai 2024 wurde Sonia Dahmani im Gebäude der tunesischen Anwaltskammer in Tunis festgenommen. Gemäß Dekret 54 – offiziell zum Schutz vor Cyberkriminalität erlassen, aber häufig gegen Andersdenkende angewandt – wurde sie wegen „Verbreitung falscher Nachrichten“ zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Ihre Verurteilung erregte bei internationalen Medien, Menschenrechtsgruppen und politischen Gremien große Empörung. Die Europäische Union hatte den Demokratieprozess Tunesiens zwar lange Zeit intensiv gefördert, doch in diesem Fall vorerst nichts unternommen. Erst nach einem Treffen des italienischen EU-Botschafters mit Präsident Kais Saied wurde Sonia Dahmani nach 18 Monaten Haft unerwartet freigelassen. Da sie jedoch unter Auflagen steht und noch weitere politisch motivierte Anklagen gegen sie vorliegen, bleibt ihre Lage unsicher.
Sonia Dahmani wurde 2025 mit dem Menschenrechtspreis der Europäischen Anwaltschaften (CCBE) und dem Internationalen Preis für Pressefreiheit (CPJ) ausgezeichnet. (Stand der Recherche Januar 2026)
Quellen: www.amnesty.de, wikipedia.org, taz.de
Künstler: Paul Starrach
Text: Ingrid Widiarto
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