Ahmet Altan, * 1950 Türkei, seit 2016 zu lebenslanger Haft verurteilt, 2019 vorübergehend frei, wieder inhaftiert

Ahmet Altan, * 1950 Türkei, von 2016 bis 2019 in türkischer Haft, 

unter Auflagen frei

Der türkische Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan wurde 1950 in Ankara geboren. Sein Vater Cetin Altan war ebenfalls Schriftsteller und Publizist und vier Jahre lang Abgeordneter der ‚Arbeiterpartei der Türkei‘ im türkischen Parlament. Sein Bruder Mehmet ist Professor für Volkswirtschaft und Autor mehrerer politischer Bücher.

Ahmet Altan wurde kurz nach dem Putschversuch von 2016 in der Türkei zusammen mit Mehmet festgenommen. Er soll am Vorabend des Putsches in einer Fernsehsendung mit der Aussage „Die AKP werde ihre Macht verlieren….“, angeblich „unterschwellige Botschaften“ an die Putschisten ausgesprochen haben. Die Aussage war ein Vorwand, einen unangenehmen Kritiker des Regimes zum Schweigen zu bringen. 

Altan hatte als Journalist und später als Herausgeber der Zeitung Taraf immer wieder kritisch gegen die Machthaber in der Türkei Position bezogen und auch Tabuthemen wie die Diskriminierung der Kurden und den Völkermord an den Armeniern aufgegriffen. Neben der journalistischen Tätigkeit verfasste er als Schriftsteller mehrere Romane.

Was den erhobenen Putsch-Vorwurf gegen Altan absurd macht: 

Seine Zeitung trug damals durch die Veröffentlichung einiger Putschpläne des Militärs gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Staatschef Erdogan dazu bei, die türkischen Generäle politisch zu entmachten. 

Das türkische Verfassungsgericht sah  in seiner Verurteilung einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und ordnete seine Freilassung an.

Sein Anwalt bezeichnete den Fall seinerzeit als den schwierigsten in seiner Laufbahn: Er solle beweisen, dass etwa nicht Existierendes tatsächlich nicht existiert.

Im Oktober 2018 wurde seine Verurteilung zu „ lebenslanger Haft unter erschwerten Bedingungen“ vom Berufungsgericht in Istanbul allerdings bestätigt. Ein Jahr später verurteilte ein Gericht Altan dann zwar zu zehneinhalb Jahren Gefängnis, ordnete aber zugleich seine Freilassung unter Auflagen an, da er schon mehr als drei Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Altan soll Ende November 2019  mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet werden.

„Nur acht Tage nach seiner Freilassung aus einem türkischen Gefängnis ist der prominente Schriftsteller und Journalist wieder festgenommen worden. Als Grund gab das Gericht unter anderem angebliche Fluchtgefahr an. Altans Anwältin Figen Albuga Calikusu bezeichnete dies als „absurd“. Für dieses Vorgehen gebe keine gesetzliche Grundlage. „Von so viel Unrecht wird mir ganz schwindlig.“ “ so die Anwältin. Dies schrieb die Frankfurter Rundschau am 13.November 2019.

Ein Gericht in Istanbul hatte die erneute Verhaftung Altans angeordnet, nachdem der Staatsanwalt Einspruch gegen die Entlassung eingelegt hatte.

Quelle: Frankfurter Rundschau, Neue Züricher Zeitung, Der Tagesspiegel, ZDF

Künstlerin: Christine Krahé