Igor Rudnikov,* 1965 Russland, in Haft seit 2017

Igor Rudnikov,*  1965 Russland, in Haft seit 2017

Igor Rudnikov, Sprössling einer Militärfamilie, ist unabhängiger russischer Journalist in der baltischen Enklave Kaliningrad (ehem. Königsberg), Abgeordneter im Gebietsparlament, Gründer der unabhängigen, kritischen Zeitung NOWYJE KOLJOSSA (Neue Räder) und seit 1995 ihr Herausgeber. Mit einer Handvoll Mitarbeitern u. a. Berichtet er über Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern.

Die Zeitung erscheint zwar lediglich in einer kleinen Auflage, nennt jedoch die Namen mächtiger Persönlichkeiten und Politiker.

Zwei Mordanschläge, 1998 und 2016 hatte Igor Rudnikov überlebt. Die FAZ berichtet: „Zwei aus Sankt Petersburg angereiste Polizisten hatten ihn 2016 am helllichten Tage in einem Kaliningrader Café angegriffen. Einer hielt ihn fest, der andere rammte ihm ein Messer in den Körper. Fünf Stöße mit kurzer Klinge: Das bedeutet hohen Blutverlust. Ein langsames Ausbluten an einem öffentlichen Ort heißt maximale Einschüchterung.“

Nun sitzt er seit November 2017 in Untersuchungshaft. Mög­licherweise, weil er „lautstark auf Aufklärung der gegen ihn gerichteten Mordversuche drängte“, wie Olga Petrowa im TAGESSPIEGEL vom 30. Mai 2018 vermutet.

Im November 2017 wurde der russische Journalist vom Geheimdienst verhaftet und auf dem Weg in die Untersuchungshaft misshandelt. Man brach ihm den Arm und mehrere Rippen, er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. Der Vorwurf gegen ihn: Erpressung. Seine Anwälte sagen, Rudnikow habe lediglich Ermittlungsakten angefordert. Es ging um einen Mordanschlag, den er vor zwei Jahren nur knapp überlebte. Zusammen mit den Akten wurden allerdings 50.000 Dollar übergeben, die Rudnikow angeblich vom Chef des örtlichen Ermittlungskomitees Viktor Ledenyow erpresst haben soll. Mit seiner Arbeit hatte sich der Journalist viele Feinde gemacht. Er schrieb über mögliche kriminelle Verwicklungen von Behörden. Auch über Ledenyow berichtete Rudnikow – und über dessen Villa, die er sich vom offiziellen Einkommen nicht leisten könne.

Die Behörden beschuldigen Rudnikow, einen Aufenthaltstitel in den USA verschwiegen zu haben. Das ist in Russland illegal. Die US-Botschaft habe bestätigt, dass Rudnikow eine Greencard besitze. Die US-Zeitschrift „Newsweek“ recherchierte den Fall. Ein anonymer Diplomat des State Department teilte demnach mit, dass die USA eine derartige Auskunft über Rudnikow hätte verweigern können. „Newsweek“ titelte daraufhin: „Hat die Trump-Administration geholfen, einen Putin-Kritiker zum Schweigen zu bringen?“ Rudnikow erwarten bis zu 15 Jahre Haft.

Quelle: Die Welt, Newsweek, Tagesspiegel, FAZ.net

Künstlerin: Claudia Pomowski