Kyaw Soe Oo *1991 Myanmar, in Haft seit Dezember 2017

Aufgewachsen im buddhistisch geprägten Bundesstaat Rakhaing im Norden Myanmars, arbeitete Kyaw Soe Oo für verschiedene Online Magazine, bevor er bei der Nachrichtenagentur REUTERS einstieg.

In seinen Artikeln wies er unter anderem auf Bestrebungen zu einem von Buddhisten initiierten regelrechten Apartheitssystem hin – gegen die muslimischen Rohingyas gerichtet.

Gemeinsam mit dem Kollegen Wa Lone wurde er im Zuge der Recherchen über militärische Aktivitäten gegen die muslimische Minderheit verhaftet und wegen Geheimnisverrats angeklagt, so dass beiden nun bis zu 14 Jahre Haft drohen.

Die Behörden beschuldigen die beiden, sich illegal von Polizeibeamten geheime Dokumente beschafft zu haben. Ihnen wird „illegale Informationsbeschaffung mit dem Ziel der Weitergabe an ausländische Medien“ zur Last gelegt.

Die Anklage basiert laut ihrem Anwalt auf einem Gesetz zu Staatsgeheimnissen aus der britischen Kolonialzeit.

Die Journalisten hatten über das Vorgehen der Armee gegen die muslimische Volksgruppe der Rohingya recherchiert und arbeiteten an einer Reportage darüber. Seit August sind etwa 655.000 Rohingya aus dem überwiegend buddhistisch geprägten Myanmar nach Bangladesch geflohen. Auslöser sollen Angriffe militanter Rohingya auf Armeeposten gewesen sein, woraufhin das Militär massiv gegen die Bevölkerungsgruppe zurückschlug. Die UN hatten das ein Beispiel für „ethnische Säuberungen“ genannt.

Die Regierungen der USA, von Großbritannien, Kanada und anderer Länder fordern ebenso wie Vertreter der Vereinten Nationen und der Europäischen Union die Freilassung der beiden. Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton und Amnesty International setzen sich für die Reuters-Reporter ein.

„Die beiden haben nichts anderes gemacht als ihre legitime Arbeit“, sagte Sektionschef James Gomez.

Über einen Antrag auf Freilassung gegen Kaution wird das Gericht am 23.Januar entscheiden.

Quelle: Deutschlandfunk, Deutsche Welle

Situation in Myanmar: Von den Vereinten Nationen werden die Rohingyas als die „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“ eingestuft.

Als Staatenlose verfügen sie über keinerlei Rechte. Sie dürfen nicht wählen, haben keinen Zugang zu höherer Bildung und eine offizielle Ausreise wird ihnen nicht gestattet. Ein Gesetz von 1982 verweigert den Rohingya die Staatsbürgerschaft und entsprechende Dokumente. Grundbesitz von Rohingyas wird beschlagnahmt und Privatbesitz zerstört oder gestohlen. Sondersteuern, Zwangsarbeit, Heiratsbeschränkungen und Manipulationen bei der Registrierung von Geburten und Todesfällen schränken das alltägliche Leben ein. Dazu kommen illegale Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigungen und Morde.

Obwohl im Jahre 2015 allgemeine Wahlen in Myanmar stattfanden und eine von der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführte Zivilregierung eingesetzt wurde, besitzen die Militärs, die nahezu fünf Jahrzehnte lang die Kontrolle des Landes ausübten, immer noch große Macht.

Künstlerin: Susanne Köhler