Meltem Oktay, * Türkei, in Haft seit April 2016

Meltem Oktay, * Türkei, in Haft seit April 2016

Die kurdische Journalistin Meltem Oktay kam ins Gefängnis, weil sie über das Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen kurdische Orte im Südosten des Landes informierte. Kurdische Jugendliche hatten dort Barrikaden errichtet und „befreite Zonen“ ausgerufen. Der türkische Staat setzte Militär ein, diese Ortschaften und Stadtteile wurden dem Erdboden gleichgemacht. Eine halbe Million Kurden wurden im eigenen Land vertrieben. Meltem Oktay arbeitete für die inzwischen verbotene kurdische Nachrichtenagentur Dicle. Sie berichtete aus der vom türkischen Militär umringten Stadt Nusaybin. Dort wurde sie am 12. April 2016 festgenommen und laut Medienberichten misshandelt. Sie wurde wegen „Propaganda für eine Terrororganisation“ zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.  Sie legte Berufung gegen dieses Urteil ein, daher wurde sie bis zum Urteil in dem Berufungsverfahren freigelassen. Da die Aussage einer Zeugin der Anklage unter Folter zustande gekommen sein soll, wurde diese Aussage zurückgezogen.

Ein Gericht wies die Klage der Staatsanwaltschaft ab, trotzdem verhaftete die türkische Polizei Oktay am 3. April 2017 erneut und schickte sie in die Provinz Kocaeli in das  Gebze-Gefängnis für Frauen. Im Februar 2019 berichtet sie von dort über den Hungerstreik einer Mitgefangenen und über die Haftbedingungen.

„Als ich mich zwischen zwei Ausgangssperren im Januar 2016 in der kurdischen Stadt Nusaybinan der syrisch-türkischen Grenze aufhielt, lernte ich eine junge Kollegin kennen. Meltem Oktay empfing mich und meinen Freund Onur in einem Teehaus im zentralen Baris-Park. Gebürtig aus Dersim, war sie hierhergekommen, um für die Nachrichtenagentur Dicle Haber (Diha) über jenen grausamen Krieg zu berichten, den der türkische Staat seit Monaten gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten des Landes führt.“

Ich fühle mich verpflichtet, der Welt mitzuteilen, was hier geschieht“, erklärt sie die Entscheidung für die Arbeit in diesem gefährlichen Gebiet.

„Sie half uns, wo sie nur konnte. Ohne sie und ihre Kollegen von Diha wäre auch für uns als Ausländer hier kein journalistisches Arbeiten möglich gewesen.“ berichtet Peter Schaber, Diyarbakir.

Quellen: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/

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Künstlerin: Ernestine Kuger-Hoberg