Patricia Devlin,  * Nordirland, Vereinigtes Königreich, bedroht seit 2019

Patricia Devlin,  * Nordirland, Vereinigtes Königreich, bedroht seit 2019

Patricia Devlin ist preisgekrönte Investigativ-Journalistin bei der SUNDAY WORLD in Belfast. Sie ist Online-Angriffen und Drohungen ausgesetzt, weil sie über organisierte Kriminalität, Drogen und kriminelle Banden berichtet sowie thematisiert, wie deren Aktivitäten verflochten sind mit bestimmten loyalistischen paramilitärischen Gruppen. In den letzten zwei Jahren haben in Nordirland Kriminalität, paramilitärische und sektiererische Angriffe aufgrund der Wirtschaftskrise und der Brexit-Folgen zugenommen. 

Patricia Devlin hält in ihrer Arbeit enormem Druck stand. Offen spricht sie über die geschlechtsspezifische Gewalt, die Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, denen sie im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung ausgesetzt ist. So sagte sie in einem Interview mit„Committee to Protect Journalists“ (CPJ): «Die Drohungen nahmen im April 2019 erstmals eine unheilvolle Wendung, als ein anonymes Profil auf Twitter öffentlich postete, ich hätte „eine Zielscheibe auf dem Rücken“.» Diesem Posting folgten Trollings durch Mitglieder eines Mobs, über den sie regelmäßig geschrieben hatte. Die Online-Konten sind anonym und wurden teilweise aus dem einzigen Grund eingerichtet, sie zu beschimpfen. 

Im Mai 2020 warnte die nordirische Polizei in einer beispiellosen Aktion mehrere Journalisten, die für die Zeitungen SUNDAY LIFE und SUNDAY WORLD , dass eine  pro-britische, paramilitärische Gruppe „unmittelbar“ Anschläge gegen sie plane.

Weil die Polizei von Nordirland die Drohungen gegen sie nicht ordnungsgemäß untersuchte und zunächst keine Maßnahmen gegen die Täter ergriff, ging sie juristisch gegen sie vor. Auch gegen Facebook, um die Identität der Person herauszufinden, die ihr Vergewaltigungsdrohungen gegen ihren neugeborenen Sohn geschickt hatte. Dies geschah, nachdem eine gezielte Kampagne die Adresse der Journalistin und die Namen ihrer Familienmitglieder veröffentlicht hatte. Daraufhin erwog Patricia Devlin, ihren Beruf aufzugeben. Doch ihre Motivation für die journalistische Tätigkeit äusserte sie gegenüber CPJ: «Der einzige Grund, warum ich Journalistin bin, ist, dass ich Verbrechen und kriminelles Verhalten und deren Auswirkungen auf unsere Gemeinschaften aufdecken will. Diese Bedrohungen hindern mich daran, meine Arbeit richtig zu machen. Ich bin Journalistin geworden, weil ich die Welt zu einem besseren Ort machen wollte. Ich möchte die Kriminalität und diejenigen, welche die Gemeinden terrorisieren, aufdecken, damit wir alle, auch unsere Kinder, ein friedliches Leben führen können. Es macht mich traurig zu sehen, dass Drohungen und Misshandlungen gegen Journalisten in Nordirland zur Normalität werden, das scheint ein großer Schritt zurück in die Vergangenheit zu sein. Ich habe oft das Gefühl, dass wir wieder ganz am Anfang stehen.»

Angriffe auf Journalistinnen in öffentlichen Foren zielen darauf ab, Frauen an der Teilnahme wichtiger gesellschaftlicher Diskussionen zu hindern und sie zum Schweigen zu bringen. 

(Stand Januar 2022)

Quelle: reporter-ohne-grenzen.de, patriciadevlin.com, womeninjournalism.org

Künstlerin: Carole Isler