Regina Martinez, * 1963 Mexiko, ermordet 2012 Mexiko

Regina Martinez *1963 Mexiko, ermordet 2012 Mexiko

Die mexikanische Journalistin des regimekritischen Wochenmagazins Proceso im Bundesstaat Veracruz berichtete über die Verbindung von Politik und dem  ortsansässige Drogenkartell LOS ZETOS. Zahllose Verbrechen infolge staatlicher Willkür waren von ihr aufgedeckt worden. Unter anderem der Fall der 73-jährigen nahua-indigenen Ernestina Ascencio. Sie wurde 2007 in der Sierra Zongolica mutmaßlich von mehreren Soldaten vergewaltigt und starb an den erlittenen Verletzungen. Die PROCESO-Recherche von Martínez und einem Kollegen war den Behörden so unangenehm, dass sie Ermittlungen gegen die beiden Journalisten einleiteten.

Die beiden letzten Artikel der 49-jährige Martínez  erschienen am Tag vor ihrem Tod. Sie hatten die Untersuchungen zum Mord am Aktivisten und PRD-Politiker Rogelio Martínez Cruz sowie die Verhaftung von neun Polizisten zum Inhalt, welchen Verbindungen mit dem Drogenhandel zur Last gelegt wurden.

Es wird vermutet, dass Regina Martinez ihre Recherchen zum Verhängnis wurden. Sie wurde am 28. April 2012 tot in ihrer Wohnung in Xalapa, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Veracruz, aufgefunden. Ihr Körper wies Folterspuren auf. Sie war erdrosselt worden.

Ihre Kollegen glaubten  nicht, dass Martinez einem simplen Raubmord zum Opfer fiel, so wie es von offizieller Seite hieß. Später wurde ein vermutlich Unschuldiger durch Folter zu einem Geständnis erpresst und bekam eine langjährige Haftstrafe. Der an Aids Erkrankte musste als idealer Sündenbock für die wahren Täter und Hintermänner herhalten.

8 Jahre später hatte das Rechercheplattform FORBIDDEN STORIES in einer aufwändigen internationalen Zusammenarbeit die Hintergründe der Ermordung weitgehend aufgeklärt. Hier ein Auszug:

„Als sie ermordet wurde, stand Regina Martínez offenbar kurz vor einer Enthüllung über die Verschwundenen von Veracruz. Das berichten mehrere Personen FORBIDDEN STORIES. Bei den Verschwundenen habe es sich um Personen gehandelt, die Regierung und Kartelle hatten loswerden wollen, erklärt ein ehemaliger ranghoher Beamter, der aus Sorge um sein Leben anonym bleiben will. Unter den Verschwundenen seien Geschäftsleute, die sich nicht erpressen ließen, junge Frauen, an denen Drogenhändler Gefallen gefunden hatten und die dann nicht mehr nach Hause zurückkehrten, oder Migranten, die entführt wurden, das verlangte Lösegeld aber nicht aufbringen konnten. Allein in der Amtszeit der beiden Gouverneure sollen in Veracruz mehr als 20.000 Menschen auf diese Art verschwunden sein.

Einem Freund sagte Regina Martínez, sie habe sich auf die gefährlichste Recherche ihrer Karriere eingelassen. Dieses Mal seien es nicht die Kartelle, die Menschen verschwinden ließen, sondern die Behörden selbst, sagte Martínez. Sie hatte herausgefunden, wo einige dieser Personen begraben sein könnten. In einem vorherigen Artikel für PROSECO hatte sie bereits einige Zeilen zu dem Thema veröffentlicht und bereitete in den Monaten vor ihrem Tod einen ausführlichen Artikel vor. Er sollte nicht mehr fertiggestellt werden.

In den Jahren nach Martínez‘ Ermordung wurden in ganz Mexiko verteilt Tausende Massengräber entdeckt. 2016 stieß man sogar im Garten der Polizeiakademie des Bundesstaats Veracruz auf Massengräber. Der damalige Minister für öffentliche Sicherheit soll ein Todeskommando angeführt haben, das für den Tod von mindestens 15 Personen verantwortlich ist.

Bis zum heutigen Tag ist es in Mexiko gefährlich, über solche Massengräber zu berichten. Zuletzt wurde am 9. November 2020 ein Journalist im zentralmexikanischen Bundesstaat Guanajuato umgebracht, als er über den Fund von Leichen recherchierte.

Was Regina Martínez vor ihrem Tod herausgefunden hatte, lässt sich nicht mehr sagen. Ihre Aufnahmegeräte wurden während der Tat gestohlen. Doch die Massengräber könnten das Thema gewesen sein, das Martínez ihr Leben kostete. „Sie war eine Journalistin, die für Unruhe sorgte“, sagt ein Staatsbeamter. In Mexiko reicht das, um zu sterben.„

Mehr dazu: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-12/mord-regina-martinez-journalistin-mexiko

Viele Journalisten in Mexiko, die Verbindungen des Staates zum organisierten Verbrechen auf der Spur waren, verschwanden oder kamen unter mysteriösen Umständen ums Leben.

Für die Zeitschrift PROSECO ist der Mord an ihrer Mitarbeiterin „das Resultat eines zersetzten Landes“, in dem extreme Gewalt „nicht die Ausnahme, sondern Alltag ist“.

Quellen: amerika2, euronews.com

Künstlerin: Susanne Köhler