Temesgen Desalegn, Äthiopien, wiederholt in Haft seit 2014 

Temesgen Desalegn, Äthiopien, wiederholt in Haft seit 2014 

In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gründete Journalist Temesgen Desalegn 2008 die unabhängig Wochenzeitung FETEH und war dessen Chefredakteur. 2012 wurde das Medium von den äthiopischen Behörden geschlossen. 2013 schrieb er in der ETHIOPIAN REVIEW und unterstützte dabei den inhaftierten Kollegen Eskinder Nega, seinen „personel heroe“. FETEH hatte den vollen Wortlaut einer Gerichtserklärung Negas veröffentlicht, der wegen angeblichen Terrorismus angeklagt war. In dieser Erklärung beteuerte Nega seine Unschuld und kritisierte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Auch kritisierte er das äthiopische Gerichtssystem als „Meles Zenawis Känguru-Gericht“.

Die äthiopische Regierung reichte zwischen 2008 und Juli 2011 insgesamt 41 Klagen gegen Desalegn ein. Weitere Anklagen 2011 und 2012 folgten, als seine Zeitung u.a. über friedliche Jugendproteste gegen die Regierung berichtet hatte. Desalegn kam später frei.

2012 berichtete FETEH und die Zeitung der Oppositionspartei  FINOTE NETSANET, dass die staatliche Druckerei sich geweigert habe, ihre Zeitungen weiter zu drucken und dass unabhängige Druckereien ihre Verträge gekündigt hätten. Laut Temesgen habe eine Druckerei erklärt, sie sei vom Justizministerium angewiesen worden, die FETEH nicht mehr zu drucken. Die Zeitung war mehrere Wochen lang nicht in der Lage, Exemplare zu drucken. 2014 wurde der unerschrockene Journalist für drei Jahre inhaftiert,  doch bereits fünf  Monate später, am 25. März 2018 wurde er erneut verhaftet und in einer 5 mal 8 Meter großen Zelle mit rund 200 anderen Gefangenen festgehalten. Anschließend wurde er wegen starker Rückenschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. 

Die Behörden führten am 26. Mai 2022 im Regionalstaat Amhara und in Addis Abeba eine so genannte „Strafverfolgungsoperation“ durch, eine breit angelegten Razzia. Temesgen und mindestens 10 weitere Journalisten wurden inhaftiert. Die Polizei warf Temesgen vor, durch nicht näher bezeichnete YouTube Interviews zu Gewalt und öffentlichen Unruhen angestiftet zu haben. Sie beschuldigte ihn, Zwietracht zwischen der Öffentlichkeit und dem Militär gesät zu haben. Sein Anwalt sagte, die Anschuldigungen seien unbegründet, da Temesgen seit mindestens vier Jahren kein YouTube-Interview mehr gegeben habe.

In Temesgens Wohnung beschlagnahmten sie Exemplare der Zeitschrift FETEH, fünf Festplatten, eine Kamera, ein Telefon und eine Flash-Disk.

In einem Interview mit BBC AMHARIC sagte Temesgen einige Tage vor seiner Verhaftung, dass „Sicherheitsquellen“ ihn vor seiner bevorstehenden Verhaftung gewarnt hätten. Auf die Frage, ob es irgendetwas gebe, das zu seiner Verhaftung führen könnte, beschuldigte Temesgen die äthiopischen Behörden, „sich in eine totalitäre Diktatur zu verwandeln“, und sagte, sie würden „diejenigen Medien unterdrücken, die [sie] bloßstellen könnten“. 

Quelle: Wikipedia

Künstlerin: Susanne Köhler