Álex Fernando Álvarez Vera, *1997 Ecuador, ermordet 2025

Fernando Alvarez war ein Journalist aus Ecuador. Er wurde 2025 ermordet

Álex Fernando Álvarez Vera, *1997 Ecuador, ermordet 2025

Der Journalist Fernando Álvarez, bekannt als „El micrófono de Salitre” (das Mikrofon von Salitre), war ein bekannter Lokaljournalist und Gründer des digitalen Medienunternehmens FERNANDO TV ONLINE. Die von ihm verwaltete Facebook-Seite hatte mehr als 131.000 Follower. Hier veröffentlichte er seit über zehn Jahren lokale Nachrichten, Bürgerberichte und Inhalte von öffentlichem Interesse, prangerte häufig Sicherheitsprobleme vor Ort und andauernde Missstände der öffentlichen Infrastruktur an. Er war eine bekannte Persönlichkeit durch sein Engagements für sozialen Themen.

Am 28. Oktober 2025 spielte Fernando Álvarez mit Freunden Fussball in Salitre. Nach ersten Informationen der Nationalpolizei und der Organisation „Fundamedios“ drangen mehrere Bewaffnete in den Sportkomplex ein und schossen wiederholt auf Álvarez. Der Journalist wurde von mindestens 15 Kugeln getroffen und starb noch am Ort des Attentats, berichtet LATAM JOURNALISM REVIEW mit Bezug auf LA HORA.

Die Generalstaatsanwaltschaft von Guayas bestätigte die Einleitung einer Untersuchung, ohne jedoch weitere Details zum Stand der Aufklärung zu nennen. 

RSF forderte die Generalstaatsanwaltschaft nachdrücklich auf, eine schnelle, ernsthafte und effiziente Untersuchung durchzuführen, die Álvarez‘ Beruf als echtes Motiv für den Mord berücksichtigt. Seine Familie verdiene Antworten, und die Verantwortlichen sollten vor Gericht gestellt werden.

Der Mord an Álvarez verdeutlicht die extremen Risiken, denen lokale und digitale Journalisten in Ecuador ausgesetzt sind. Insbesondere entlang der Pazifikküste beeinträchtigen Gewalt, Erpressung und territoriale Kontrolle durch kriminelle Gruppen die Möglichkeiten der Journalist:innen zu berichten.

„FERNANDO TV lieferte wichtige Informationen in einem Gebiet mit geringer Medienpräsenz. Der Mord an Álex Fernando Álvarez Vera, ein klarer Fall von bewaffneter Gewalt, könnte andere lokale Journalisten abschrecken, die soziale Medien als ihr Hauptformat nutzen“, so Artur Romeu, Direktor, von RSF Lateinamerika.

In der letzten Zeit wurden in Salitre mindestens sechs Auftragsmorde verzeichnet,. Das spiegelt die Verschlechterung der Sicherheitslage in Guayas wider, einer der Provinzen, die am stärksten von der Ausbreitung der organisierten Kriminalität im Land betroffen sind. Ecuador belegt Platz 74 von 180 Ländern und Gebieten im RSF-Weltindex der Pressefreiheit 2025 und erlebt einen alarmierenden Rückgang der Sicherheitsbedingungen für die Presse. Denn seit 2023, als Präsident Daniel Noboa sein Amt antrat, nehmen Drohungen, Vertreibungen und Morde zu. Trotz der Rückkehr zu relativ normalen Beziehungen zwischen der Regierung und bestimmten Teilen der Presse haben sich die Spannungen und die politische Polarisierung erneut verschärft.

Ecuador befindet sich in einer Sicherheitskrise, die durch die Ausbreitung der organisierten Kriminalität und die Zunahme gewaltsamer Todesfälle gekennzeichnet ist. Dies,  obwohl seit Anfang 2025 der interne bewaffnete Konflikt ausgerufen wurde. In diesem Umfeld sind lokale Journalist:innen besonders gefährdet und verrichten ihre Arbeit unter hohen Risiken.

Die Ermordung von Fernando Álvarez ist kein Einzelfall. Er ist Teil einer Eskalation tödlicher Gewalt gegen die Presse, die Leonardo Rivas, Nachrichtenchef von RADIO CARINOSA (November 2024), Patricio Aguilar, Herausgeber von  EL LIBERTADOR (März 2025), und Xavier Ramos, Mitarbeiter von EL UNIVERSO (August2025), das Leben gekostet hat. Organisationen zur Verteidigung der Meinungsfreiheit wie „Fundamedios“ und die Interamerikanische Pressevereinigung (SIP) haben die Tat verurteilt und von den Behörden eine sofortige und wirksame Untersuchung gefordert.

Quellen: observatorio a las libertades ciudadanas, Reporter ohne Grenzen (RSF), Latam Journalism Review

Stand der Recherche: Januar 2026

Text: Bettina Henze

Portrait: Bettina Henze