
Andrzej Poczobut, *1973 in Belarus, wiederholt in Haft, zuletzt seit 2021
Andrzej Poczobut ist ein belarussischer Journalist, Autor und politischer Aktivist polnischer Herkunft. Er gehört zur polnisch-sprachigen Minderheit in Belarus gehört.
Andrzej Poczobut wurde 1973 in Wjalikaja Berastawiza (Region Hrodna} in Belarus geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er arbeitete unter anderem für die polnischen Tageszeitung GAZETA WYBORCZA sowie für verschiedene belarusische und polnische Medien. Er engagierte sich für die Minderheit der polnischen Bevölkerung in Belarus und setzte sich offen für deren Rechte und für demokratische Reformen ein. Deshalb geriet er mehrfach mit dem Regime von Präsident Alexander Lukaschenko in Konflikt.
Er wurde erstmals Ende 2010 /Anfang 2011 festgenommen und für mehrere Monate inhaftiert, unter anderem wegen angeblicher „Teilnahme an einer nicht genehmigten Protestveranstaltung“ und kritischer Berichte über Lukaschenko. Am 25. März 2021 wurde er erneut festgenommen und unter politisch motivierten Vorwürfen zu acht Jahren Haft in einer Strafkolonie unter verschärfte Bedingungen verurteilt.
Zu seiner Verurteilung führten offiziell vor allem zwei Arten von Vorwürfen: „Aufstachelung zu nationalem und religiösem Hass“ bzw. „Rehabilitierung des Nazismus“ und „Handlungen, die die nationale Sicherheit von Belarus gefährden“ (unter anderem wegen seiner Berichterstattung und öffentlichen Kritik am Regime).
Seine Eltern leben in Polen, wo sie vor Ort öffentlich über seine schwierige Lage berichten. Seine Tochter Jana tritt gelegentlich öffentlich auf, wie etwa im Europäischen Parlament, wo sie eine Rede über die Situation ihrer Familie hielt.
Menschenrechtsorganisationen und viele internationale Beobachter bewerten diese Anklagepunkte als politisch motiviert und sehen darin eine Bestrafung für seine journalistische Arbeit und sein Engagement für die polnische Minderheit in Belarus.
Andrzej Poczobut gilt als politischer Gefangener und Symbolfigur des Widerstands gegen die Diktatur in Belarus.
Für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit und die Rechte von Minderheiten erhielt er 2025 den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments für geistige Freiheit.
Andrzej Poczobut war bei der von den USA vermittelten Freilassung von 123 politischen Gefangenen in Belarus im Dezember 2025 nicht dabei. Der Deal sah vor, dass Belarus 123 politische Gefangene freilässt, im Gegenzug hoben die USA Sanktionen gegen die belarusische Kali-Düngemittelindustrie auf.
Dies war das zweite Abkommen seit September 2025, vermittelt durch US-Gesandten John Coale auf Drängen von Präsident Trump, um Handelsbarrieren zu lockern. Die Freigelassenen, darunter Oppositionelle wie Maria Kolesnikowa und Ales Bjaljazki, wurden meist in die Ukraine oder Litauen abgeschoben. Als Grund erklärte Lukaschenko öffentlich:
„Niemand kann mich dazu zwingen.“
Dies bezog er auf Begnadigungen politischer Gefangener, da er nur diejenigen freilasse, die Gnadengesuche eingereicht hätten. Er nannte Andrzej Poczobut einen „außergewöhnlichen Schurken“ und betonte, dass der keine Reue zeige. Dies schließe seine Freilassung aus. (Stand der Recherche: Januar 2026)
Quellen: Wikipedia, igfm.de, polskieradio.pl, arte.tv, Spiegel Ausland
Künstlerin: Karin Herr
Text: Karin Herr
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