
Anastasia Hlukhovska, * 1993 Ukraine, 2023 nach Russland verschleppt
Anastasia Hlukhovska arbeitete in Melitopol im Verwaltungsbezirk Saporischschja für den unabhängigen Telegram-Kanal RIA-MELITOPOL. Sie berichtete darin über die Lage in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten.
Am 20. August 2023 wurde die 30-Jährige wie auch mehrere andere Journalist:innen und Telegram-Mitarbeiter:innen aus Melitopol von russischen Besatzungstruppen festgenommen und verschleppt.
An diesem Morgen wollte Anastasia ihre Mutter treffen, die gegen acht Uhr zu der Wohnung ihrer Tochter kam und an der Gegensprechanlage klingelte. Aber niemand antwortete. Von den Nachbarn ihrer Tochter erfuhr sie, dass um sechs Uhr Männer in Uniformen ohne Abzeichen gekommen waren und ihre Tochter in unbekannte Richtung mitgenommen hatten.
Später strahlte das russische Fernsehen einen Bericht aus, in dem über die Aufdeckung mehrerer Gruppen des ukrainischer Geheimdienstes berichtet wurde. Das Video zeigte den Moment, in dem Menschen in Uniform in Hlukhovskas Wohnung eindrangen und sie in Handschellen abführten.
Lange Zeit war nicht bekannt, wo sie inhaftiert war. Es wurde kein Verfahren gegen sie eingeleitet, nicht einmal die Festnahme bestätigt. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB und das offizielle Ermittlungskomitee für das besetzte Gebiet Saporischschja bestritten, irgendetwas über das Verschwinden von Anastasia Hlukhovska zu wissen. In Propagandavideos war jedoch deutlich zu sehen, wie sie von Russen in einen Lieferwagen gezwungen und dabei unnötigerweise betatscht wurde.
Während die anderen Festgenommenen namentlich genannt wurden und einige von ihnen bereits wegen „öffentlicher Aufrufe zu Terroranschlägen, Hochverrat und Spionage“ zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, gab es über lange Zeit von Anastasia Hlukhovska kein Lebenszeichen.
Erst im Oktober 2025 berichtete das Investigativportal SLIDSTVO.INFO, dass sie in das Gefängnis in Kizel (Region Perm, Russland) gebracht worden war. Das ist dasselbe Gefängnis, in dem die Journalistin Viktoria Roschtschyna zu Tode gefoltert wurde.
Im Januar 2025 bestätigte das Rote Kreuz, dass sich Anastasia Hlukhovska in Kizel in Haft befindet.
Reporter ohne Grenzen und andere internationale Organisationen forderten ihre sofortige Freilassung und kritisieren, dass sie monatelang ohne jeden Kontakt zur Außenwelt festgehalten worden war.
Quellen:www.rsf.org, www.khpg.org, IPI.media, www.imi.org.ua, www.mipl.org.ua
Text: Ingrid Widiarto (März 2026)
Künstler: Jesse Lucassen
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