
Arndt Ginzel, * 1972 Deutschland, seit 2010 bei der Arbeit behindert
Weil Arndt Ginzel kritisch zur „Sachsensumpf-Affäre“ berichtete, wurden der Journalist mit seinem Kollegen Thomas Datt 2010 zunächst zu einer Geldstrafe von je 2500 Euro verurteilt. „Sachsensumpf“ bezeichnet die Verwicklung hochrangiger Persönlichkeiten aus Justiz, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in die Prostitution Minderjähriger sowie kriminelle Immobiliengeschäfte in Sachsen.
Ginzel berichtete 2008 auf ZEIT ONLINE und im Politmagazin DER SPIEGEL über ein mutmaßliches Leipziger Kinderbordell. Ehemalige Prostituierte hatten dort angeblich ranghohe Vertreter aus der sächsischen Justiz und Politk als Freier identifiziert. Ginzel wurde u. a. Verleumdung und falsche Verdächtigung vorgeworfen.
Laut Anklage hätten die beiden Journalisten mit einer bewusst unvollständigen Berichterstattung die Juristen und die Polizeibeamte verunglimpft. Die beiden Journalisten hatten in dem Artikel die Ermittlungen der Polizei beleuchtet und die Frage gestellt, ob Beamte möglicherweise unter Druck gesetzt worden sein könnten. Der Strafrichter wertete dies bereits als Tatsachenbehauptung. Sie hätten damit schwere und ehrverletzende Vorwürfe gegen die Polizisten erhoben.
In zweiter Instanz wurden die Investigativ-Journalisten jedoch vom Landgericht Dresden freigesprochen. Die von den Journalisten aufgeworfenen Fragen hielt das Gericht für legitim. „Im Übrigen“, so der Richter, „sollte die Anwendung des Strafrechts gegenüber dem Presserecht die Ultima Ratio bleiben.“
Ein sächsischer Untersuchungsausschuss konnte die Anschuldigungen Ginzels nicht zweifelsfrei belegen, da Akten unter Verschluss gehalten wurden. Ermittlungen gegen beschuldigte Justizmitarbeiter wurden letztlich eingestellt. Lediglich der Betreiber des Kinderbordells Betreiber wurde zu einer auffallend milden Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die Affäre gilt bis heute als nicht gänzlich aufgeklärt.
Arndt Ginzel ist ein deutscher Investigativjournalist. Er wuchs in Bautzen/DDR auf und studierte an der Universität Leipzig. Als freier Journalist arbeitet er mit zwei Partnern von Leipzig aus. Regelmäßig arbeitet er für deutsche Fernsehmagazine, wie zum Beispiel FRONTAL 21 (ZDF) und DIE STORY IM ERSTEN (ARD) und recherchiert zu unterschiedlichsten Themenbereichen aus dem In- und Ausland.
Im Jahre 2015 wurde Ginzel bei seinen Recherchen zum Krieg in der Ostukraine von pro-russischen Rebellen kurzzeitig verhaftet.
Arndt Ginzel wollte im August 2018 für FRONTAL 21 über eine Pegida-Demonstration in Dresden berichten. Pegida ist eine islam- und fremdenfeindliche, völkische, rassistische und rechtsextreme Organisation. Sein Team wurde von der Polizei circa 45 Minuten lang kontrolliert und an ihrer journalistischen Tätigkeit gehindert. Ein Demonstrant hatte zuvor dem Team vorgeworfen, ihn widerrechtlich gefilmt zu haben. Der Vorfall fand international Beachtung und löste eine Debatte zur Pressefreiheit in Deutschland und dem Vorgehen der sächsischen Polizei aus. Es wurde in den sozialen Medien unter den Hashtags „Pegizei“ und „Hutbürger“ bekannt.
Mitte Februar 2022 reiste Ginzel mit dem Kameramann Gerald Gerber in den Großraum von Mariupol/Ukraine, um dort über Deutsche zu berichten, die auf unterschiedlichen Seiten in der Ukraine freiwillig kämpften. Er erlebte vor Ort den Beginn der Invasion auf die Ukraine mit. Seither berichtet er direkt aus der Ukraine als Kriegsreporter für mehrere Nachrichtenredaktionen.
Arndt Ginzel wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. erhielt er 2017 den „Bayerischen Fernsehpreis“ für die TV-Reportage „Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg gegen den Westen“ und 2019 den „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig.
In 2022 wurde ihm vom Netzwerk Recherche der „Leuchtturm-Preis für besondere publizistische Leistungen“ verliehen, im Jahr darauf erhielt er einen Deutschen Fernsehpreis für seine Berichterstattung zum Ukraine-Krieg.
Quellen: Wikipedia, https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sachsensumpf-landgericht-spricht-arndt-ginzel-und-thomas-datt-frei-a-872082.html
Künstler: Dzemail Demic
Text: Susanne Köhler / Gerhard Keller, Mai 2026
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