Cristian Hernando Herrera Nariño, *1978 Kolumbien, ermordet 2026

Cristian herrera war ein Journalist aus Kolumbien. Er wurde 2026 ermordet.

Cristian Hernando Herrera Nariño, *1978 Kolumbien, ermordet 2026

Obwohl Herrera Nariño in der Regel von Personenschützern begleitet wurde, ermordete man ihn. „Cristian war eines der größten Vorbilder für die Liebe zum Journalismus in Norte de Santander.“ (José Ignacio Arango)

Herrera Nariño berichtete über organisierte Kriminalität, Drogenhandel, Schmuggel, Korruption und bewaffnete Gewalt in einer der gefährlichsten Regionen Kolumbiens, dem Departamento Norte de Santander. 

Der ehemalige Gerichtsreporter der Medien LA OPINIÓN und Q’HUBO CÚCUTA wurde am 6. Juni 2026 in Cúcuta, in der Nähe zur venezolanischen Grenze, von einem Schützen mit mehreren Schüssen ermordet. Er stieg gerade im Beisein seiner Frau und seiner Tochter vor dem Haus seiner Schwiegermutter aus dem Auto. 

Mehr als zwanzig Jahre lang wurde Herrera Nariño bedroht. Im Jahre 2017 überlebte er nur knapp ein Attentat. Außerdem musste er zweimal das Land verlassen, einmal nach Chile und später nach Spanien. Dort lebte er gemeinsam mit seiner Familie im Rahmen eines temporären Programms von Reportern ohne Grenzen (RSF) für bedrohte Journalist:innen. 

Seit 2014 stand er unter dem staatlichen Schutzprogramm Kolumbiens, der Unidad Nacional de Protección (UNP). Er wurde auf seinen Recherchefahrten von einem Personenschützer begleitet. Am Tage seiner Ermordung benutzte er ein Fahrzeug der UNP, der Bodyguard aber hatte seinen freien Tag.

Seit Oktober 2024 arbeitete Herrea Nariño als freiberuflicher Journalist in den von ihm gegründeten digitalen Medien CÚCUTA AL ROJO VIVO und CÚCUTA REAL. Außerdem arbeitete er mit dem Medium NOTICIAS CÚCUTA 75 zusammen. Er unterhielt ein Netzwerk von Kriminalreportern in Cúcuta, der Hauptstadt des Departamentos Norte de Santander und in Catatumbo, einer ländlichen Region dieses Departments. Erst kürzlich hatte er begonnen, als Kommunikationsberater für das Cúcuta Sekretariat für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten. 

Herrera Nariño arbeitete auch als Korrespondent für FLIP, FUNDACIÓN PARA LA LIBERTAD DE PRENSA (Stiftung für die Freiheit der Presse), deren Vorstandsmitglied er war. 

FLIP bezeichnete die Ermordung Herrera Nariños als verheerenden Schlag für die Pressefreiheit; die Organisation verliere mit dem Ermordeten nicht nur eines ihrer leitenden Mitglieder, sondern die Arbeit zum Schutz der Rechte von Journalist*innen werde durch die Einschüchterung von Kollegen gefährdet.

Nach Angaben von FLIP hatte Herrera zuletzt über Korruptionsfälle und Probleme der öffentlichen Sicherheit in Cúcuta berichtet. 

Die Stiftung verlangte, wie andere demokratische Organisationen auch, eine zügige und sorgfältige Untersuchung, um die Verantwortlichen zu identifizieren. Außerdem mahnte sie an, die Drohungen gegen Herreras und seine journalistische Arbeit ausdrücklich in die Ermittlungen einzubeziehen.

„Cristian war eines der größten Vorbilder für die Liebe zum Journalismus in Norte de Santander.“

berichtete José Ignacio Arango, Gründer von NOTICIAS CÚCUTA  75 und Kollege des Ermordeten. Auch er steht unter staatlichem Schutz und wird bedroht.

„Christian arbeitete gegen reale Machtstrukturen, kriminelle Netzwerke und gegen das durch Gewalt hervorgerufene Stillschweigen“, sagte Fabiola León, eine lateinamerikanische Investigatorin für Reporteros Sin Fronteras, RSF (Reporter ohne Grenzen).

Für Informationen, die zur Verhaftung der Täter führen, setzte der Polizeipräsident von Cúcuta eine Belohnung von 100 Millionen kolumbianischen Pesos, (ungefähr 29.000 US$) aus. 

Am 9. Juni wurden zwei Männer und eine Frau festgenommen, die angeblich in das Verbrechen an Herrera involviert waren. Von einem der Männer wird angenommen, dass er der Schütze war, während die anderen beiden Personen die Logistik des Mordes koordinierten.

Herrera Nariño ist der zweite Journalist, der seit Jahresbeginn in Kolumbien getötet wurde. Seit 2022, dem Amtsantritt von Präsident Gustavo Petro, wurden in Kolumbien bis Juni 2026 neun Journalistinnen und Journalisten getötet.

Quellen: rsf-ch.ch, LatAm Journalism Review by the Knight Center, en.sipiapa.org, eltiempo.com

Text: Anne Chavez (Stand der Recherche: Juli 2026)

Künstler: Stephan Burger