Sokrates Giolias, *1973 Deutschland, ermordet 2010 in Griechenland

Sokrates Giolias war ein journalist aus Griechenland. Er wurde 2010 ermordet.

Sokrates Giolias, *1973 Deutschland, ermordet 2010 in Griechenland

Sokrates Giolias war ein griechischer Journalist, der unter anderem den privaten Radiosender THEMA 98.9 leitete. Er galt als einer der Mitbegründer des Nachrichtenblogs TROKTIKO, in dem mehrere anonyme Journalist:innen Einträge über korrupte Politiker, Wirtschaftsführer und Terrorverdächtige schrieben; Giolias selbst brachte in diesem Blog mehrere Korruptionsfälle Griechenlands ans Licht.

Giolias wurde in Deutschland geboren, kehrte aber mit seiner Familie in jungen Jahren nach Griechenland zurück und wuchs in der Hauptstadt Athen auf. Mit 19 Jahren begann er seine Karriere als Journalist im griechischen Fernsehen. Sein Mentor war der bekannte Journalist Makis Triantafyllopoulos, von welchem er sich aber im Laufe seiner späteren Karriere distanzierte. Bevor er begann, politische und gesellschaftliche Skandale zu recherchieren, war er als Sportjournalist tätig. Giolias war glücklich verheiratet und hinterließ einen Sohn; seine Frau war zum Zeitpunkt seines Todes bereits ein zweites Mal schwanger.

Im Laufe seiner Journalistenkarriere berichtete Giolias über die Missstände Griechenlands; über die verarmte Bevölkerung und korrupte Politiker und Konzerne. Von seiner Familie und von Arbeitskollegen wurde er als ein Rebell bezeichnet, der aber unparteiisch zur Feder griff. Seine Berichterstattungen über Korruption brachten Giolias des Öfteren Morddrohungen ein. Seine Texte auf TROKTIKO zu Terrortatverdächtigen waren es aber, die schließlich zu seinem Tod führten.

In den frühen Morgenstunden des 19. Juli 2010 verkleidete sich eine Gruppe linksextremer Terroristen als Polizisten. Ihnen gelang es, Giolias – mit dem Vorwand, dass jemand sein Auto gestohlen hätte – aus seiner Wohnung im Athener Vorort Ilioupolis zu locken. Dann erschossen die Täter den Journalisten auf offener Straße; seine Frau beobachtete alles von der gemeinsamen Wohnung aus.

Giolias wurde von mindestens 15 Schüssen getroffen. Er verstarb noch am Tatort. Die Täter flohen mit einem nahen Fluchtfahrzeug. Dieses wurde später von der Polizei als ausgebranntes Wrack aufgefunden. Der Anschlag an Sokrates Giolias markierte den ersten Mord an einem Journalisten in Griechenland seit 1985.

Aufgrund der am Tatort vorgefundenen Patronenhülsen ordnete die Polizei den Mordanschlag der linksextremen Terrororganisation Sechta Epanastaton (Sekte der Revolutionären) zu; diese bekannte sich eine Woche nach dem Anschlag öffentlich zur Tat. Die Terrorgruppe, die seit etwa 2009 durch Terroranschläge und anderweitige Gewaltverbrechen bekannt wurde, sieht sich selbst als paramilitärische Gruppierung des griechischen Volkes. Zu ihren Zielen gehören die von ihnen als „Feinde der Bevölkerung“ betitelten Politiker und Wirtschaftsführer, die angeblich an der „Verelendung Griechenlands“ die Schuld tragen. Nach dem Mord an Giolias kündigte die Terrororganisation weitere Anschläge auf Journalistinnen und Journalisten an, denen sie die Manipulation der Bevölkerung zum Wohle der Obrigkeiten unterstellen. Bis heute wurden die Täter weder identifiziert noch festgenommen.

Hunderte Trauernder wohnten der Beisetzung von Giolias bei. Die griechische Regierung wie auch die Medien verurteilten den Mord. Der Nachrichtenblog TROKTIKO stellte seine Arbeit wenige Tage nach der Beerdigung von Giolias ein.

Im Laufe des letzten Jahrzehntes nahmen die Gewaltverbrechen an Journalistinnen und Journalistien in Griechenland drastisch zu. Nur selten werden Anschläge auf diese von den Behörden verfolgt, weshalb mittlerweile Organisationen wie das Komitee zum Schutz von Journalisten (Committee to Protect Journalists) der griechischen Regierung vorwirft, die Pressefreiheit in ihrem Land bewusst nicht zu schützen. 

Als Konsequenz begannen deshalb viele Reporterinnen und Reporter, sich selbst zu zensieren.

Quellen: www.tagesspiegel.de, www.diepresse.com, www.reporter-ohne-grenzen.de, www.spiegel.de, voxeurop.eu/de, www.stern.de, www.derbund.ch, cpj.org, www.independent.co.uk, www.tovima.gr

Text: Sean L. L. Erdel, Februar 2026

Künstlerin: Mina Hagedorn