
Marina Solotowa, * 1977 Belarus, wiederholt in belarusischer Haft, zuletzt von 2021 bis 2025
Die belarusische Journalistin Marina Solotowa arbeitet seit 2004 als Chefredakteurin für das unabhängige belarusische Internetportal TUT.BY.
Das im Jahr 2000 gegründete TUT.BY ist mit Abstand das größte Nachrichten- und Informationsportal in Belarus, mit eigener Redaktion. Es gilt als eine der wichtigsten Quellen für objektive journalistische Informationen im Land.
Im August 2018 durchsuchten die Behörden die Büros von TUT.BY, der Nachrichtenagentur BELAPAN, des Immobilienportals REALT.BY, die Redaktion der Zeitung KULTURA sowie Wohnungen von Redakteuren und Journalisten. Beschlagnahmt wurden Festplatten von Computern.
Neun Journalisten wurden vorübergehend festgenommen, darunter der DEUTSCHE WELLE-Korrespondent in Minsk, Paulyuk Bykowski. Die DEUTSCHE WELLE hatte daraufhin beim Botschafter von Belarus in Berlin Protest eingelegt. Die zweifache Mutter Marina Solotowa war von insgesamt 15 Angeklagten die Einzige, der schließlich der Prozess gemacht wurde. Die Verfahren gegen die anderen wurden eingestellt, nachdem sie Entschädigungen und Geldstrafen entrichtet hatten.
Im dem umstrittenen Prozess ging es um die Fragen der Zugangsberechtigung zu den kostenpflichtigen Inhalten der staatlichen Nachrichtenagentur „BelTA“. Im März 2019 wurde sie nach 7 Monaten gegen Zahlung eines Geldbetrags von ca. 5.600 € freigelassen.
Der Eindruck liegt nahe, daß es sich bei dem Prozess um einen an den Haaren herbeigezogenen erneuten Einschüchterungsversuch gegen die letzten unabhängigen Medien in Belarus handelt.
2020 wurde dem Portal für zwei Monate die Lizenz entzogen. Damit gilt die Redaktion nicht mehr als Medienunternehmen, sondern als Website und die Mitarbeiter:innen nicht mehr als Journalist:innen. Dies bedeutet, dass sie als Demonstrant:innen behandelt werden, wenn sie z. B. über die aktuellen Proteste berichten. Ein Gericht wird entscheiden, ob TUT.BY den Status eines Medienunternehmens endgültig verlieren wird.
Die Redaktion von TUT.BY schickte aus Sicherheitsgründen niemanden mehr los, um über die ausgedehnten Proteste gegen den Wahlbetrug des Präsidenten Lukaschenko zu berichten. Belarusische User posteten Bilder mit der Aufschrift „Ich/Wir sind ‘tut.by‘“.
Am 18. Mai 2021 schalteten die belarusischen Behörden die Webseite von TUT.BY ab. An diesem Tag gab eine Razzia in den Redaktionsräumen in der Hauptstadt Minsk. Mindestens 13 Mitarbeiter wurden festgenommen. Das Regime bereit ein Gerichtsverfahren wegen angeblicher Steuerdelikte vor. Damit wird es immer schwerer, vom Regime unabhängige Informationen aus Belarus zu bekommen. Die Opposition verliert ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Sprachrohr. Mit diesem Schritt baut Lukaschenko seinen alles beherrschenden Machtapparat weiter aus. Einen Tag zuvor hatte er die Befugnisse der Polizei zur Niederschlagung von Protesten erweitert. Er unterzeichnete ein neues Gesetz, dass es Sicherheitskräften erlaubt, „Kampf- und Spezialtechnik“ gegen Demonstrierende einzusetzen. „Unter diesen Bedingungen ist kaum mehr damit zu rechnen, dass es über kurz oder lang zu Veränderungen in Belarus kommen wird. Das Land im Schatten der Großmacht Russland nimmt weiter Kurs in Richtung Diktatur.“ schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland RND.
Marina Solotowa (Myryna Zolatava) ist Chefredakteurin der Info- und Service-Webseite TUT.BY in Belarus. Diese unabhängige Internetseite ist sehr beliebt und verzeichnet ca. 200 Mio Besucher pro Monat. 2019 wurde sie von 63 % aller Internetnutzer in Belarus gelesen. Sie veröffentlicht täglich etwa 200 Artikel und unterstützt die Demokratiebewegung. Die Staatsführung behinderte wiederholt die Arbeit der Plattform.
Am 18. Mai 2021 wurden die Geschäftsräume und die Privatwohnungen der wichtigsten Mitarbeitenden durchsucht und mehrere Personen verhaftet. Unter ihnen Marina Solotowa. Die Server und eMail -Konten wurden blockiert. Ein politisch motiviertes Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung in besonders großen Umfang (Artikel 243, Teil 29) wurde eingeleitet. Zusammen mit 14 weiteren inhaftierten Mitarbeitern ist Marina Solotowa als politische Gefangene anerkannt. Der 44-Jährigen drohte eine Gefängnisstrafe von 12 Jahren. Dazu wurde sie dann 2023 verurteilt, und zwar in einer Strafkolonie. Angeblich, weil Solatawa und ihre Kollegin, die TUT.BY -Geschäftsführerin Ljudmila Tschekina hassvolle Inhalte verbreitet hätten, die die nationale Sicherheit von Belarus gefährdet hätten.
Am 13. Dezember 2025 wurde Maryna Solatawa gemeinsam mit 122 weiteren politischen Gefangenen aus der Haft entlassen . Ob sich unter den Freigelassenen weitere Medienschaffende befinden, war zunächst unklar. Unmittelbar nach ihrer Freilassung wurden die insgesamt 123 Personen aus Belarus abgeschoben, überwiegend in die Ukraine.
„Die Nachricht über Maryna Solatawas Freiheit ist großartig, denn sie hätte für ihre Arbeit keinen einzigen Tag hinter Gittern verbringen dürfen“, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus. „Auch wenn Marynas Freiheit ein wichtiger Erfolg ist, für den wir jahrelang gekämpft haben, bleibt die Lage der Pressefreiheit in Belarus gravierend. Journalist*innen können weiterhin nicht frei im Land berichten, Hunderte mussten fliehen und leben jetzt im Exil – und Dutzende sitzen aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis, sie müssen alle sofort freigelassen werden.“
Die Freilassungen erfolgten im Zusammenhang mit diplomatischen Bemühungen der USA, die in diesem Zuge Sanktionen gegen Belarus aufhoben. Es handelt sich bereits um die zweite Entlassungswelle politischer Gefangener aus Belarus in diesem Jahr. Bereits im September 2025 kamen neun Journalist*innen in Freiheit. Das polnische Außenministerium teilte zudem mit, dass der polnisch-belarusische Journalist Andrzej Poczobut, der zuletzt mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet wurde, nicht unter den befreiten Personen ist.
Belarus belegt auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit Platz 166 von 180 Ländern. (Stand der Recherche: Dezember 2025)
Quellen: Wikipedia, www.pressreader.com, ipi.media/belarus, Reporter ohne Grenzen, headtopics.com, www.dw.com, www.zeit.de, www.rnd.de
Künstler: Udo Reckmann
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