Ahmet Şık * 1970 Türkei, in türkischer Haft von Dezember 2016 bis März 2018, vorübergehend frei

Ahmet Şık ist einer der prominentesten Journalisten der Türkei.
1970 in Adana geboren, lehrte Journalismus an der Bilgi-Universität in Istanbul, ist Mitglied in der Gewerkschaft der Journalisten „Türkiye Gazeteciler Sendikası (TGS)“ und dem Verein zeitgenössischer Journalisten „Çağdaş Gazeteciler Derneği (ÇGD)“.
Zwischen 1991 und 2007 arbeitete er für die türkische Zeitschrift NOKTA und die türkischen Tageszeitungen MILLIYET, CUMHURIYET, EVRENSEL, YENI YÜZYIL und RADIKAL. Außerdem war er für REUTERS als Fotograf tätig. Er ist bekannt für seine Artikel zu Menschenrechtsangelegenheiten und Arbeitsethik in Publikationen von Nichtregierungsorganisationen. 
Als Journalist und Autor mehrerer Bücher, die zu zentralen Werken des türkischen Investigativjournalismus wurden, bekam er während seiner Karriere internationale Anerkennung – und wurde mehrmals verhaftet.
Sein Buch „Die Armee des Imam“ galt 2011 als „gefährlichste Buch des Landes“. 
Darin enthüllte er als erster türkischer Journalist das Machtstreben und die Unterwanderungsstrategie der Gülen-BewegungWeil diese damals ein Bündnispartner von Recep Tayyip Erdogan war, kam Şık seinerzeit in Untersuchungshaft.
Am 29. Dezember 2016 wurde er erneut verhaftet.  Grundlage der Verhaftung sei „Propaganda für eine terroristische Organisation“. Die Staatsanwaltschaft warf Şık vor, er habe Propaganda für die verbotene kurdische PKK sowie für die Gülen-Organisation gemacht. 
In seiner Verteidigung vor Gericht sagte er, nicht er selbst, sondern Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan müsse wegen Komplizenschaft mit Gülen angeklagt werden. Die Gülen-Bewegung bezeichnete er als „sakralisierte Mafiaorganisation“ und bestritt, jemals irgendwelchen legalen oder illegalen Organisationen angehört zu haben. Seine Bilanz: „Ich habe es durch meine journalistische Arbeit geschafft, der Buhmann jeder einzelnen politischen Periode zu sein. Für mich ist das eine Ehrenauszeichnung.“ 
Am 28. Juli 2017 wurden sieben der elf angeklagten Journalisten aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Richter entschieden, Ahmet Sik und weitere Journalisten weiter in Untersuchungshaft zu belassen.
Im März 2018 wurde Ahmet Sik zusammen mit  Murat Sabuncu vorübergehend aus der Haft entlassen. Die Anklage besteht weiterhin wegen „Terrorverdacht“ mit einer Forderung nach 43 Jahren Haft.

Die Frankfurter Rundschau schreibt im Oktober 2018: Aus dem Investigativ-Journalisten, der unter anderem für die Zeitung „Cumhuriyet“ schrieb, ist inzwischen ein Politiker geworden. Ahmet Sik war im Dezember 2016 festgenommen worden und saß 430 Tage lang in Haft. Im März wurde er freigelassen, aber dann im April wegen angeblicher Unterstützung von Terrorgruppen zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Bis zum Ende des Revisionsverfahrens bleibt er auf freiem Fuß. Wenig später schloss sich Sik der Oppositionspartei HDP an und verkündete seine Kandidatur für die Parlamentswahl im Juni. „Wenn man sich heute nicht politisch engagiert, könnte es morgen in der Türkei schon zu spät sein“, sagte er. Nun kämpft der 48-Jährige als Abgeordneter weiter gegen das Regime von Recep Tayyip Erdogan. Dessen Vorwurf, Journalisten betrieben ohnehin Politik statt Berichterstattung, konterte er in der „Welt am Sonntag“ so: „Der Glaube, es gebe so etwas wie objektiven Journalismus, ist eine Illusion. Jeder hat ein Wertesystem und politische Überzeugungen, die bestimmen, wie man die Wirklichkeit wahrnimmt.“ Vor allem aber: „Wenn es wirklich Pressefreiheit in der Türkei gäbe, müssten Leute wie ich überhaupt nicht erst in die Politik gehen.“