Mesale Tolu, * 1984 Deutschland, seit Mai 2017 in der Türkei inhaftiert

Die im baden-württembergischen Ulm geborene Journalistin berichtete seit 2014 für den privaten Radiosender ÖZGÜR RADYO in Istanbul. Der Sender wurde nach dem Putschversuch im Juli 2016 per Regierungsdekret geschlossen. Außerdem war sie als Übersetzerin für die linksgerichtete Nachrichtenagentur ETKIN HABER AJANSI (ETHA) tätig.

2007 hatte die Gymnasiallehrerin die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und die türkische darauf hin abgegeben.

Mesale Tolu ist in der Nacht zum 30. April 2017 verhaftet worden.

Spezialkräfte der Anti-Terror-Einheit hatten die Tür eingeschlagen, die Wohnung verwüstet und die Mutter eines kleinen Kindes mitgenommen.

Ein maskierter Beamte gab das Kind („Wenn Du nicht ruhig bist, wirst Du auch verhaftet.“) bei einem Nachbarn ab.

Mit einem im Istanbuler Frauengefängnis verfassten Brief wandte sich Mesale Tolu an die Öffentlichkeit. Sie hatte die Zeilen während eines Besuchs ihrer Schwester auf einen Zettel geschrieben. Die Schwester fotografierte den Zettel per Handy ab und mailte das Foto nach Deutschland.

„Ich bedanke mich bei allen, die sich für meine Freiheit einsetzen…

Ich befinde mich in einem Land, in dem Frauen täglich Opfer von Ehrenmorden, Kinder auf der Straße von Panzern überfahren und Andersdenkende ihrer Freiheit beraubt werden. Daher bin ich von meiner Situation nicht überrascht. (…)

Ich bin sicher, dass die grauen Wolken verschwinden und die sonnigen Tage kommen werden.“

Ihr Bruder bezeichnet  den Zustand seiner Schwester als stabil. „Sie lässt sich nicht unterkriegen.“ Der inzwischen dreijährige Sohn ist inzwischen bei seiner Mutter im Gefängnis und kann auch seinen Vater, den Politiker Suat Corlu, der einen Monat vor seiner Frau inhaftiert wurde, ab und zu besuchen.

Das zuständige Gericht verlängerte im Oktober 2017für sie und fünf weitere Angeklagte die Untersuchungshaft und lehnte damit den Antrag von Tolus Anwälten ab, ihre Mandantin bis zu einem Urteil auf freien Fuß zu setzen.

Künstlerin: Ernestine Kuger-Hoberg