Roberto Toledo, * 1967 Mexiko, ermordet 2022

 

Roberto Toledo, * 1967 Mexiko, ermordet 2022

Roberto Toledo war erst seit zwei Jahren Kameramann und Videoredakteur der Nachrichtenwebsite  MONITOR MICHOACAN in Zitácuaro, einer Stadt 80 Meilen westlich von Mexiko-Stadt im zentralmexikanischen Bundesstaat Michoacán.

Er berichtet über Korruption in Staat und Gesellschaft im Großraum Zitácuaro auf der Website des Unternehmens und auf dessen FACEBOOK-Seite. Deswegen hatte er schon Morddrohungen erhalten und befand sich auch in einem staatlichen Schutzprogramm.

In Michoacán und der Region Zitácuaro hatte die kriminelle Gewalt in letzter Zeit stark zugenommen. „Zitácuaro ist vor allem für das nahe gelegene Monarchfalter-Reservat bekannt, aber die Region ist von Gewalt geprägt, da Drogenkartelle und kriminelle Gruppen um die Kontrolle des illegalen Holzeinschlags kämpfen.“ schreibt THE GUARDIAN.

Am 27. Januar 2022 veröffentlichte MONITOR MICHOACAN einen kurzen Kommentar, in dem es die staatlichen Behörden kritisiert: sie habe angeblich Informationen über Personen manipuliert, die wegen Drogenbesitzes verhaftet worden waren.

Am selben Tag machte MONITOR MICHOACAN transparent, dass ihr Direktor, der Redakteur Armando Linares anonym beschuldigt werde, Verbindungen zum Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) zu haben. Dieses Kartell ist eine berüchtigte kriminelle Vereinigung, die in eine Reihe von Morden und Schießereien – nicht nur in der Region Zitácuaro – verwickelt war. (siehe unten)

Vier Tage später, am 31. Januar 2022 gegen 13:30 Uhr wurde der 55-jährige Roberto Toledo vor dem Gebäude der Redaktion von 3 Männern beschossen und erlag seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein anderer Bericht beschreibt, daß er sich im Büro des Anwalts des Senders befand und nach einem Klingeln die Tür öffnete, bevor er angegriffen wurde.

Am Tag der Ermordung gab der Direktor von MONITOR MICHOACAN, Armando Linares in einem Video-Statement bekannt, dass der Sender wegen seiner Kritik an den staatlichen und kommunalen Behörden Morddrohungen erhalten habe. „Die Aufdeckung der Korruption hat zum Tod eines unserer Kollegen geführt“, sagte Linares in einem FACEBOOK-Video und brach in Tränen aus, bevor er bei der Familie von Toledo um Entschuldigung bat und sagte:

„Wir tragen keine Waffen. Wir haben nur einen Stift und ein Notizbuch, um uns zu verteidigen“. Am nächsten Tag sagte der Anwalt Vera, er sei sich nicht sicher, ob Toledo überhaupt das beabsichtigte Opfer gewesen sei. 

Der Mord verstärkte das Gefühl der Verzweiflung unter den Journalisten in Mexiko. Sie werfen dem Präsidenten Obrador vor, keine sinnvollen Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen.

„López Obrador sagt, dass der Staat keine Journalisten mehr verfolgt, und damit hat er recht“, sagte der Journalist Javier Garza. „Aber er hält keinen der anderen Akteure davon ab, Mitglieder der Presse anzugreifen“.

„Niemand in den Behörden kümmert sich um den Journalismus, es sei denn, er hilft ihnen, an der Macht zu bleiben. Machen wir uns nichts vor“, twitterte Rafael Cabrera, ein investigativer Journalist.

(Stand Februar 2022)

Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG)

2010 löste sich eine Gruppe aus dem Sinaloa-Kartell, dem mächtigsten Drogenkartell Mexikos, und nannte sich fortan „Cártel de Jalisco Nueva Generación“.

2011 bekannten sie sich zur Ermordung von 35 Angehörigen des rivalisierenden Kartells Los Zetas. Im März 2012 gab das CJNG mittels Videobotschaft bekannt, dass es gegen das Tempelritter-Kartell um die Vorherrschaft in Michoacán kämpfe. Noch bis in den Sommer 2013 soll CJNG für das Sinaloa-Kartell tätig gewesen sein. Im September 2013 breiteten sie sich nach. Guanajuato aus, das reich an wertvollen Rohstoffen ist.

2015 wurden fünf Angehörige der mexikanischen Bundespolizei durch das CJNG ermordet,  fünfzehn mexikanische Polizeioffiziere aus einem Hinterhalt von Angehörigen des CJNG ermordet. Diese Attacke galt als Racheakt des CJNG an den Sicherheitskräften wegen der Tötung eines ihrer Anführer. Es handelte sich um eine der tödlichsten Vergeltungsaktionen auf Sicherheitskräfte in der Geschichte Mexikos. Im Mai desselben Jahres schoss das CJNG einen Hubschrauber im Westen des Bundesstaates von Jalisco ab. Dabei kamen mehrere Insassen, darunter Angehörige der Sicherheitskräfte, ums Leben oder wurden schwer verletzt.

2016 verschleppten mehrere Bewaffnete den Sohn von El Chapo (Boss des Sinaloa-Kartells) zusammen mit fünf anderen Personen. Laut dem Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Jalisco gehörten die Entführer der CJNG an. 2018 verübten unbekannte Täter einen Sprengstoffanschlag auf das Konsulat der Vereinigten Staaten in Guadalajara. Die Stadt wird auch das „Silicon Valley“ von Mexiko bezeichnet. Verletzt wurde aber niemand. Im Internet hatte das Kartell gedroht, das Konsulat anzugreifen.

Im Juni 2020 wurde ein Attentat auf den Polizeichef von Mexiko-Stadt verübt, das er verletzt überlebte und bei dem zwei Sicherheitskräfte und eine Passantin ums Leben kamen. Verantwortlich gemacht wurde CJNG.

(Wikipedia)

Quelle: https://cpj.org/2022/02/roberto-toledo-is-fourth-mexican-journalist-killed-in-less-than-four-weeks/

https://www.theguardian.com/world/2022/jan/31/mexico-fourth-journalist-killed-roberto-toledo

EPD

Künstlerin: Susanne Köhler