
Carlos Castro, * 2000 Mexiko, ermordet 2026 in Mexiko
Die Schutzmaßnahmen der Behörden für den 24-jährigen Journalisten wurden bald wieder eingestellt. Zwei Jahre später wurde er erschossen. Die Täter filmten den Mord.
Der mexikanische Journalist Carlos Castro berichtete hauptsächlich über Polizeimeldungen, darunter Festnahmen, Unfälle, Tötungsdelikte, Entführungen und auch über Korruptionsfälle innerhalb der Behörden.
Carlos Castro war Journalist im Norden des Bundesstaates Veracruz und leitete die Facebook-Nachrichtenseite CÓDIGO NORTE DE VERACRUZ. Außerdem war er auch für einige weitere lokale Medien tätig.
Wegen seiner Berichterstattung wurde er häufig bedroht. Nach einer Auseinandersetzung mit einem Polizeibeamten im April 2024 wurde der 24-Jährige in das örtliche Schutzprogramm der Stadt Posa Rica aufgenommen. Dennoch verließ er aus Angst um sein Leben zeitweise die Stadt.
Laut der Kommission für den Schutz von Journalist:innen des Bundesstaates Veracruz CEAPP (Comisión Estatal para la Atención y Protección de los Periodistas) wurden die Schutzmaßnahmen 2024 wieder eingestellt, da die Behörden Carlos Castro nicht mehr als gefährdet einstuften.
Kurz nachdem er Ende 2025 zurückgekehrt war, wurde er am 8. Januar 2026 von Unbekannten in einem Restaurant in Posa Rica erschossen: Eine bewaffnete Gruppe drang in das Restaurant ein, eröffnete das Feuer und flüchtete. Dabei filmten sie ihre Tat – das Video tauchte eine Woche später in sozialen Netzwerken auf.
Maren Pfalzgraf, Lateinamerika-Pressereferentin von Reporter ohne Grenzen (RSF), sagte: „Dass die Täter sich filmten und das Video im Netz verbreiteten, ist schockierend und muss als Warnung an andere Journalist*:innen verstanden werden. Die Verantwortlichen dürfen nicht ungestraft davonkommen.“
Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 unterzeichnete die spätere Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum eine Erklärung zum Schutz von Journalist:innen. Bis heute wurde jedoch keine dieser Maßnahmen vollständig umgesetzt. Es gab bisher auch keine Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Mord an Carlos Castro.
Mexiko gehört seit Jahren zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Journalist:innen, weil die Verstrickung von Politik und organisiertem Verbrechen die juristische Verfolgung von Straftaten gegen Medienschaffende lähmt.
Quellen: cpj.org, reporter-ohne-grenzen.de, rsf.org
Text: Ingrid Widiarto (Stand der Recherche: Februar 2026)
Künstlerin: Susanne Köhler
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