Thierry Banga Lole, * Demokratischen Republik Kongo, 2025 ermordet

Thierry Banga Lole war ein Journalist in der Demokratischen Republik Kongo. Er wurde 2025 ermordet

Thierry Banga Lole, * Demokratischen Republik Kongo, 2025 ermordet

Thierry Banga Lole war Journalist beim nationalen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Bunia und Mitbegründer des Online-Mediums LA VOIX DE L’ITURI. Er wurde wegen seiner Professionalität und seines Engagements für den Journalismus im öffentlichen Interesse weithin respektiert. (siehe Interview unten aus dem Jahr 2020)

Thierry Banga Lole wurde in der Nacht vom 28. Dezember 2025 gegen 1:00 Uhr in seinem Haus in Bunia angegriffen. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich seine Frau und die meisten seiner Kinder in Goma. Thierry war mit seiner kleinen Tochter allein zu Hause. In einer ebenso dramatischen wie bewegenden Szene gelang es ihr, die Nachbarschaft zu alarmieren, indem sie auf den Zaun kletterte, um Hilfe zu rufen.

Banga Lole wurde in die Salama-Klinik gebracht, wo er trotz medizinischer Bemühungen später starb. 

Nach seiner Ermordung stellten mehr als 20 Radio- und Online-Medien in Bunia ihre Programme für drei Tage ein, um den Mord anzuprangern und einen stärkeren Schutz für Journalist:innen zu fordern.

Environmental Defenders betont, dass Journalist:innen in Ituri und im gesamten Osten der Demokratischen Republik Kongo nicht nur Medienmitarbeiter:innen, sondern auch Menschenrechtsverteidiger:innen im Umweltbereich sind. Durch ihre Berichterstattung dokumentieren sie Abholzung, illegalen Bergbau, Landraub, Wildtierhandel, Verschmutzung von Flüssen und Feuchtgebieten sowie die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten und Rohstoffabbau auf Gemeinden und Ökosysteme. 

Sie decken Umweltverbrechen und klimabedingte Schäden auf und geben betroffenen Gemeinschaften, darunter indigenen Völkern und Frauen, eine Stimme. Diese Arbeit trägt direkt zum Umweltschutz, zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zur Klimagerechtigkeit bei. Dies setzt Journalist:innen einem erhöhten Risiko aus, wenn mächtige Interessen versuchen, kritische Berichterstattung zu unterbinden.

Die Ermordung von Thierry Banga Lole ist eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Leben und der Pressefreiheit und verdeutlicht die eskalierenden Gefahren, denen Journalist:innen und Umwelt-Menschenrechtsverteidiger:innen im Osten der DR Kongo ausgesetzt sind.

Die Ermordung von Thierry Banga Lole ist Teil eines umfassenderen Musters von Gewalt und Unterdrückung im Osten der DR Kongo. Die Region ist weiterhin von wiederholten Konflikten betroffen, darunter Gewalt im Zusammenhang mit der M23 (Rebellengruppe, überwiegend Angehörige der Tutsi), die permanente Präsenz mehrerer bewaffneter Gruppen und der anhaltende Belagerungszustand in Ituri und Nord-Kivu. 

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 7 Millionen Menschen im ganzen Land Binnenvertriebene, ein großer Teil davon in den östlichen Provinzen. 

Journalist:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen werden regelmäßig bedroht, schikaniert und angegriffen, weil sie über Massaker, illegale Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Korruption und Versagen der Regierungsführung berichten, oft in einem Umfeld fast vollständiger Straflosigkeit.

Environmental Defenders erklärt: „Journalisten werden wegen ihrer Arbeit angegriffen, obwohl die DR Kongo 2023 ein Gesetz zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Aktivisten verabschiedet hat. Dieses Gesetz muss nun in die Praxis umgesetzt werden. Ohne konkrete Maßnahmen vor Ort bleiben rechtliche Schutzmaßnahmen symbolisch, während die Gewalt weitergeht.“

Environmental Defenders unterstützt weiterhin Journalist:innen durch Schulungen zu den Themen digitaler und physischer Sicherheit, Risikobewertungen, Informationssicherheit, Nothilfe, vorübergehende Umsiedlung, psychosoziale Unterstützung, Rechtsbeistand und stellen kleine Notfallzuschüsse oder Schutzausrüstung bereit.

Anlässlich des Weltfototages 2020, der jedes Jahr am 19. August gefeiert wird, sprach Thierry Banga Lole als professioneller Fotograf aus Bunia mit  BUNIAACTUALITE.COM über seinen Beruf und ermutigte alle, die sich ebenfalls dafür entschieden haben, Mut zu haben. Hier das ganze Interview:

Thierry Banga Lole: „Die Fotografie ist für mich eine Leidenschaft. Ich lebe nur für die Fotografie. Die Fotografie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“, erzählt er.

Herr Lole, der angibt, außerhalb von Bunia eine Ausbildung absolviert zu haben, erinnert sich jedoch daran, dass sein Traum woanders lag.

Ich träumte davon, ein großer Journalist und Reporter zu werden. Heute bin ich Fotojournalist. Ich möchte weiterkommen, groß werden, über die Grenzen der DR Kongo hinaus. Ich träume davon, eines Tages an einer internationalen Fotoausstellung teilzunehmen“, erklärt er.

Thierry Lole fordert daher andere junge Menschen, die sich für die Fotografie als Beruf entschieden haben, zu mehr Ernsthaftigkeit auf.

Den jungen Leuten, die diesen Beruf auf die leichte Schulter nehmen, rate ich, wenn sie sich wirklich für die Fotografie als Beruf entschieden haben, ehrlich und mutig zu sein“, schloss er.

Thierry Lole, einer der ältesten und fleißigsten seiner Generation, ist Fotojournalist beim nationalen Radio- und Fernsehsender RTNC Bunia. Außerdem arbeitete er mehr als drei Jahre lang als Fotojournalist im Büro des Gouverneurs der Provinz Ituri. Dies berichtet BUNIAACTUALITE.COM im Jahr 2020, fünf Jahre vor seiner Ermordung.

(Stand der Recherche: Januar 2026)

Quellen: watetezi.org, rfe1news.org, buniaactualite.cd

Künstlerin: Susanne Grüning

Text: Gerhard Keller