Mohammed Qishta, * 1990 Palästina, ermordet 2026 in Palästina / Gaza

Muhammed Qishta war ein Journalist aus palästina gaza. Er wurde 2026 von der israelischen Armee getötet bzw. ermordet.

Mohammed Qishta, * 1990 Palästina, ermordet 2026 in Palästina / Gaza

Am 21. Januar 2026 berichtete Muhammed Qishta zusammen mit zwei weiteren Journalisten nahe der kleinen Stadt Al-Sahra über einen Transporter von Hilfsgütern aus Ägypten. Die zwei ihn begleiteten Journalisten waren Abdul rauf Schaath und Anas Ghneim. 

Um den Hilfsgütertransport aus Ägypten zu filmen, nutzten die drei Männer eine Videodrohne. Kurz nach Beginn ihrer Dreharbeiten fielen sie einem Luftangriff der israelischen Armee zum Opfer.

Die israelischen Streitkräfte verteidigten ihre Entscheidung und behaupteten, auf drei Terroristen der Hamas geschossen zu haben – es habe auf „Verdächtige“ gezielt, die eine Drohne der Hamas bedient hätten.

Israelische Soldaten in der Nähe sollen sich von der Videodrohne der Journalisten bedroht gefühlt haben.

Ziel des Luftangriffes war das zivile Fahrzeug der Journalisten. Laut der Hilfsorganisation, dem ägyptischen Komitee in Gaza, waren die drei Männer in deren Auftrag unterwegs. Das Fahrzeug wurde ihnen bereitgestellt und war mit dem Logo der Hilfsorganisation versehen.

Das ägyptische Komitee in Gaza nennt diesen Angriff einen schwerwiegenden Präzedenzfall. Die Organisation Reporter ohne Grenzen betitelt den Angriff auf die drei Journalisten als einen gezielten Anschlag; die drei Männer waren durch ihre Ausrüstung als Reporter gekennzeichnet. Laut ihnen ist der Luftangriff der israelischen Armee als ein Kriegsverbrechen zu betrachten.

In einem Nachruf auf der Seite von 972MAG.COM schrieb die Journalistin Ibtisam Mahdi am 3. Februar 2026:

„Muhammad Qishta, 36, stammte (…) aus Rafah und war im Mai 2024 in das Gebiet Al-Mawasi in Khan Younis vertrieben worden. Er war Vater von drei Söhnen, und fünf Tage vor seinem Tod brachte seine Frau ein Mädchen zur Welt, das sie Wafa nannten. Ich erinnere mich, dass er mir erzählt hatte, er habe zu Gott um eine Tochter gebetet.

Muhammad arbeitete für das Ägyptische Komitee und war ein weiteres Beispiel für einen Journalisten, der ruhig und organisiert war und stets bereit, jedem in Not zu helfen. Er sprach nicht viel – aber wenn er etwas sagte, dann war es immer etwas, das deine Aufmerksamkeit verdiente.

Ich arbeitete mit ihm an mehreren Artikeln über das Ägyptische Komitee und war beeindruckt von seinem konsequenten Fokus auf Genauigkeit statt Schnelligkeit. Wenn er sich bei bestimmten Informationen nicht sicher war, sagte er mir offen: „Ich kann die Zahl nicht hundertprozentig bestätigen – ich werde eine zweite Quelle hinzuziehen.“

Muhammad strebte weder nach Ruhm noch nach einer Sensationsmeldung um jeden Preis; er wusste, wann er sprechen und wann er schweigen musste, und achtete stets darauf, niemanden durch ein unüberlegtes Wort zu verletzen und die ohnehin schon chaotische Realität nicht noch weiter zu verschärfen. Als Kollege war er unkompliziert, aber in Wirklichkeit war er tiefgründiger – stets respektvoll gegenüber dem Leid der Menschen, seinen Kollegen und dem Beruf selbst.

Während der Beerdigung von Abed, Muhammad und Anas traf ich Muhammads Cousine zweiten Grades, Wissam Qishta, 27, die im selben Lager lebt wie Muhammad. Unter Tränen erzählte sie mir: „Muhammad war [vor dem Krieg] mein Nachbar in Rafah und auch während unserer Vertreibung. Er kümmerte sich immer um jeden, der an seine Tür klopfte – aber er wartete nicht darauf, dass ich auf ihn zukam, sondern sah immer nach mir.

„Ich erinnere mich an unseren letzten Ramadan in Rafah, in der Nacht vor dem Eid klopfte er an meine Tür und gab meinen Kindern Süßigkeiten“, fügte Wissam hinzu. „Und während der Hungersnot und des drastischen Anstiegs der Lebensmittelpreise, als ich in meinem Zelt saß, war ich überrascht, als mir ein junger Mann ein Päckchen Gemüse brachte, ohne dass ich darum gebeten hatte. Er sagte zu mir: ‚Abu Salah [wie Muhammad auch genannt wurde] lässt dich grüßen und sagt: Genieß es bei guter Gesundheit.‘“

Nur eine Woche vor seiner Ermordung kontaktierte Wissam Muhammad, um ihm zu sagen, dass ihr Zelt abgenutzt und vom Regen durchnässt war. „Er kam und versorgte mich mit einem voll ausgestatteten Zelt sowie mit Lebensmitteln.“ Jetzt, sagt Wissam, weiß sie nicht mehr, wer nach ihr sehen oder ihr helfen wird, wenn sie in Not ist. Wir weinten gemeinsam, als wir Muhammad zur letzten Ruhe betteten.“

Trotz der Waffenruhe zwischen Israel und Palästina seit Oktober 2025 kommt es zu israelischen Angriffen. Journalisten und Journalistinnen sind weiterhin Opfer israelischer Gewalt. Nur durch die lokalen Reporter und Reporterinnen ist eine Berichterstattung aus dem Gazastreifen möglich, da Journalisten und Journalistinnen aus anderen Nationen noch immer die Einreise nach Palästina von der israelischen Regierung verwehrt wird.

(Stand der Recherche: April 2026)

Quellen: n-tv.de, morgenpost.de, taz.de, 

stuttgarter-zeitung.de, berlinertageszeitung.de, 

stern.de, france24.com, IFJ, 972MAG.COM

Text: Sean L. L. Erdel / Susanne Köhler 

Portrait: Thomas Ormond