Wu Yingjiao, *1992 VR China, in Haft seit 2026

Wu Yingjiao ist ein investigativer Journalist aus der volkrepublik China. ER wurde 2026 inhaftiert

Wu Yingjiao, *1992 VR China, in Haft seit 2026

Wu Yingjiao ist investigativer Journalist und freier Fotograf und arbeitet im Süden der Volksrepublik China. Zusammen mit seinem Kollegen Liu Hu veröffentlichten er am 29. Januar 2026 einen Artikel auf dem Messengerdienst WeChat. Darin thematisierten die Journalisten mutmaßliche Korruption eines Parteisekretärs des Kreises Pujiang in der Provinz Sichuan namens Pu Fayou. Der Beitrag wurde kurz nach Veröffentlichung von der Plattform gelöscht. Nach der Veröffentlichung hatte sein Kollege Liu Hu darüberhinaus auf WeChat Screenshots veröffentlicht. Darin sieht man Nachrichten eines Mitarbeiters der Disziplinar- und Aufsichtskommission der Stadt Chengdu. Der Journalist wurde mehrfach aufgefordert, sich direkt an die Behörde zu wenden und Beschwerden ausschließlich über „offizielle Kanäle“ einzureichen, statt sie öffentlich zu machen.

Daraufhin wurden beide Journalisten am 1. Februar 2026 verhaftet, der 34-jährige Wu in der Provinz Hubei. Ihnen wurde vorgeworfen, in ihren Texten „falsche Anschuldigungen“ erhoben zu haben. Ein zweiter Vorwurf lautet auf „illegale Geschäftstätigkeit“. 

Laut dem unabhängigen chinesischen Nachrichtenportal WEI QUAN WANG war er für mehrere Preise für Journalismus nominiert.

Journalistische Arbeit ist in China gefährlich. Besonders investigative Journalisten finden kaum Arbeit. Nahezu alle offiziellen Medien stehen unter staatlicher Kontrolle, ein Grund, warum unabhängiger Journalismus auf soziale Medien wie WeChat ausweichen muss. Doch diese werden ebenfalls streng kontrolliert. Viele Journalist:innen auf den Plattformen nutzen Pseudonyme. Doch auch hier werden Nachrichten häufig gelöscht, Konten gesperrt und Reporter:innen verfolgt, berichtet Reporter ohne Grenzen.

„Der Fall von Wu Yingjiao und Liu Hu macht deutlich: Journalismus wird nicht bekämpft, weil er Fehler macht, sondern weil er in China Dinge tut, die eigentlich für eine Gesellschaft selbstverständlich sein müssten – Macht kontrollieren und Missstände offenlegen“, sagt Sören Kittel, Pressereferent für Asien bei Reporter ohne Grenzen. „Journalismus muss sensible Themen wie Korruption thematisieren dürfen, ohne Verfolgung durch Behörden befürchten zu müssen, wie sie unter Präsident Xi Jinping weiter zugenommen hat.“ Eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zu China normalisiert gleichzeitig auch willkürlichen Umgang mit freier Presse wie im vorliegenden Fall. „Die internationale Gemeinschaft darf systematische Repression von Wahrheitsfindung nicht länger hinnehmen.“

Quelle: Reporter ohne Grenzen

Text und Portrait: Susanne Köhler