
Christophe Gleizes, * 1989 Frankreich, in Algerien in Haft seit 2024
Der französische Sportjournalist Christophe Gleizes, bekannt durch seine Mitarbeit bei SO FOOT und SOCIETY, ist aktuell der einzige französische Journalist, der weltweit in Haft ist. Er wurde am 3. Dezember 2025 vom Berufungsgericht in Tizi Ouzou in Algerien endgültig zu sieben Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Damit wurde ein seit 18 Monaten laufendes Verfahren beendet. Reporter ohne Grenzen (RSF) und das Committee to Protect Journalists (CPJ) äußern sich bestürzt über das Urteil gegen einen erfahrenen Reporter, der „nur seine Arbeit getan hat“.
Gleizes war bereits am 28. Mai 2024 in Tizi Ouzou festgenommen worden.
Gleizes war im Mai 2024 nach Algerien gereist, um über den traditionsreichen Fußballclub „Jeunesse Sportive de Kabylie (JSK)“ zu berichten und weitere Beiträge für SO FOOT vorzubereiten. Im Zentrum der Anklage stehen jedoch ältere journalistische Kontakte:
2015 und 2017 führte Gleizes Interviews und Korrespondenzen mit dem Präsidenten von JSK – einem Funktionär, der zugleich Mitglied der politischen Bewegung MAK (Mouvement pour l’Autodétermination de la Kabylie) war.
Die MAK setzt sich für mehr Autonomie der Kabylei, einer Berberregion im Norden Algeriens, ein.
Jahre später, erst 2021 wurde die MAK von den algerischen Behörden als „terroristische Organisation“ eingestuft.
Diese Jahre zurückliegenden Recherchen werden nun als zentraler Bestandteil herangezogen, um die Terrorismusvorwürfe gegen den Journalisten zu begründen – obwohl sie lange vor der Terroreinstufung stattfanden.
Während seiner Recherche 2024 hatte Gleizes erneut Kontakt zu demselben Vereinspräsidenten. Gleizes betont, dass sämtliche Treffen beruflicher Natur waren.
Die Behörden werfen ihm zusätzlich vor, mit einem Touristenvisum eingereist und ohne Genehmigung journalistisch tätig gewesen zu sein.
Am 29. Juni 2025 war er wegen „Verherrlichung des Terrorismus“ und „Besitzes von Publikationen zu Propagandazwecken, die dem nationalen Interesse schaden“ verurteilt worden. Diese Vorwürfe wies er entschieden zurück. Daher legte er im Juni 2025 gegen das Urteil Berufung ein.
RSF und CPJ bezeichnen das bestätigte Urteil als „absurd“ und politisch motiviert und fordern weiterhin Gleizes’ sofortige Freilassung. Thibaut Bruttin, Generaldirektor von RSF, betonte: „Journalismus ist kein Verbrechen!“ RSF engagiert sich gemeinsam mit Gleizes’ Familie und einem Unterstützungskomitee für seine Freilassung.
Der Fall findet statt vor dem Hintergrund einer angespannten Lage der Pressefreiheit in Algerien: Auf der RSF-Rangliste 2025 belegt das Land Platz 126 von 180 Staaten.
Quellen: Wikipedia, Reporter ohne Grenzen
Portrait und Text: Cordula Wessel
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.