
Fernand Cello * Madagaskar, mehrmals in Haft seit 2017, inzwischen frei
Fernand Cello ist ein investigativer Journalist der Tageszeitung BASY VAVA. Er wurde 2025 in dem überfüllten Antanimora-Gefängnis in der Hauptstadt Antananarivo inhaftiert und durfte weder Besuche von seiner Familie, seinen Kollegen noch von einem Anwalt empfangen. Was war passiert?
Fernand Cello wurde am Abend des 30. Januar 2025 in seinem Haus festgenommen. „Die Gendarmen haben Fernand zunächst gewaltsam mitgenommen und sind dann eine halbe Stunde später zurückgekommen, um mich zu fragen, wo sein Telefon sei. Sie haben mich ebenfalls festgenommen. Am nächsten Tag um 13 Uhr wurde ich aus der Haft entlassen“, erklärte seine Frau.
Die offiziellen Gründe für seine Inhaftierung waren zunächst unklar.
Am 13.10.2025 wurde er nach achteinhalb Monaten Haft wieder freigelassen.
Fernand Cello wurde seit dem 5. Oktober 2023 per Haftbefehl gesucht. Er hatte sich versteckt, nachdem er einen fehlerhaften Bericht veröffentlicht hatte. Darin wurde behauptet, der Premierminister, der Kommunikationsminister und der Präsident des Verfassungsgerichts seien „nach Frankreich geflohen“. Später widerrief er diese Aussage und veröffentlichte eine Entschuldigung.
Doch das war nicht der einzige Grund, warum er gesucht wurde. Kurz vor seiner Verhaftung hatte der investigative Journalist auf seiner Facebook-Seite Kritik an Madagaskar geteilt. Es ging um den „Universal Periodic Review“ (UPR) – einer Bewertung der Menschenrechtslage eines Landes durch die Vereinten Nationen. Cello hatte auch Bedenken hinsichtlich der möglichen Veruntreuung von EU-Geldern für den Bau einer Autobahn geäußert und Fälle von Korruption während der Wahl des Präsidiums des Stadtrats von Antananarivo aufgedeckt.
Seit fast einem Jahrzehnt schon wird der Journalist von den Behörden ins Visier genommen.
Im August 2016 wurde sein Radiosender RADIO JUPITER Ziel eines Überfalls von Unbekannten, und ein örtlicher Energieversorger stellte dem Sender den Strom ab, Auslöser war wohl, daß Fernand Cello ihnen öffentlich eine unfaire Behandlung ihrer Kund:innen vorgeworfen hatte.
Im Dezember 2016 hatte Cello in einem Bericht veröffentlicht, dass ein Bergbauunternehmen und mutmaßliche Regierungsunterstützer in Ilakaka im Südwesten von Madagaskar eine illegale Saphirmine betreiben sollen. Einige Tage nach der Ausstrahlung des Beitrags wurde der betreffende Radiosender RADIO JUPITER von Militäreinheiten angegriffen, wobei die Sendeanlage beschlagnahmt wurde. Sie hatten eine Razzia durchgeführt. Er sah sich danach gezwungen, unterzutauchen.
Fünf Monate lang hielt er sich versteckt, bevor er schließlich im Mai 2017 verhaftet wurde. Die Anklagen wegen „Verleumdung“, „Gefährdung der Staatssicherheit“ und „Anstiftung zu Hass“, die in Zusammenhang mit seiner journalistischer Arbeit erhoben worden waren, wurden fallengelassen und er wurde lediglich zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Im April 2019 wurde er schließlich vom Berufungsgericht freigesprochen. Der madagassische Investigativ-Journalist sah sich allerdings noch vier weiteren Anklagen gegenüber. Dabei ging es um den Vorwurf, er habe ein Scheckbuch gestohlen. Fernand Cello bestritt diese Anschuldigung.
Inzwischen ordnete das Ministerium für Bergbau an, den Betrieb der Diamant-Mine wegen Verletzung des Bergbaurechts auszusetzen.
Wird Fernand Cello ist im Moment auf freiem Fuss. Wird er weiterhin so mutig sein und auf Missstände aufmerksam machen?
(Stand der Recherche: Februar 2026)
Quellen: Reporter ohne Grenzen
Künstler: Achim Ripperger
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