Mehmet Nizam Aslan „Ahmet Polad“, *1999 Türkei, inhaftiert 2026 in Syrien und der Türkei

Mehmet Nizam Aslan "Ahmet Polat" ist ein kurdischer Journalist aus der Türkei. Er wurde 2026 in Syrien inhaftiert.

Mehmet Nizam Aslan „Ahmet Polad“, *1999 Türkei, inhaftiert 2026 in Syrien und der Türkei

Der kurdische Journalist wurde in Syrien während der Berichterstattung von Truppen der Übergangsregierung verschleppt und inhaftiert.

Mehmet Nizam Aslan wurde in Nord-Kurdistan geboren und hat die türkische Staatsangehörigkeit. Unter dem Namen „Ahmet Polad“ arbeitete er als Reporter, Autor, Moderator und Programmgestalter. Seit 2016 war er journalistisch für die Nachrichtenagentur ETKIN HABER AJANSI (ETHA) und den in Europa ausgestrahlten Fernsehsender ÖZGÜR TV tätig; außerdem veröffentlichte er regelmäßig Texte für das Nachrichten- und Analyseportal KURDISTANA AZAD.

Seine Arbeit steht für eine freie kurdische Medienöffentlichkeit, die aus Nord- und Ostsyrien, aus Rojava und aus der kurdischen Diaspora berichtet.
Für ÖZGÜR TV war Ahmet nicht nur Autor oder Korrespondent im Hintergrund. Er stand selbst vor der Kamera, moderierte Sendungen, führte Gespräche, ordnete politische Entwicklungen ein und berichtete aus Rojava. Seine journalistische Arbeit verband Reportage, Analyse und politische Einordnung.

Am 18. Januar 2026 arbeitete er zusammen mit seiner Kollegin Eva Maria Michelmaann in Raqqa / Syrien, der ehemaligen IS-Hauptstadt.

Die Stadt stand lange unter Kontrolle der kurdisch-dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF). Islamistische Verbände griffen nun gemeinsam mit den Truppen der syrischen Übergangsregierung die Gebiete an und eroberten sie.

Die beiden Journalisten dokumentierten die Offensive, die bereits am späten Abend des 17. Januar begonnen hatte. Zusammen mit vielen anderen Zivilisten suchten sie Schutz in einem Jugendzentrum. Von dort berichten sie zuletzt über die Belagerung und den Beschuss durch die vorrückenden Truppen des syrischen Innenministeriums. In der Nacht zum 19. Januar wurden Ahmet Polat und Eva Maria Michelmann von diesen Truppen verschleppt. Die beiden wurden getrennt. Zeugen berichteten, dass beide in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wurden. 

In Deutschland gründete sich ein Solidaritätsnetzwerk, dass mit der Parole „Wo sind Eva und Ahmet?“ Aufklärung über das Schicksal der beiden Jour­na­lis­t:in­nen forderte.

Aufgrund des Drucks der deutschen Familie von Frau Michelmann auf die Bundesregierung und das Auswärtigen Amt konnte Eva Maria Michelmann am 19. Juni 2026 in Freiheit gelangen.
Ihr Kollege Ahmet Polat ist aber weiterhin in Haft. Über sein Gesundheitszustand ist nichts bekannt. Ein ehemaliger Mithäftling berichtete allerdings von Verletzungen an der Hand und im Bauchraum. Es muss damit gerechnet werden, dass er sich aufgrund seiner kurdischen Herkunft in akuter Lebensgefahr befindet. Eva Maria Michelmann appelliert an die deutschen und europäischen Behörden, alle diplomatischen Möglichkeiten zu nutzen, um ihn zu schützen.

Die Solidaritätsorganisation Peoples-Bridge forderte von den EU-Staaten, eine Aufnahme des Journalisten.

Nach fast achtmonatiger Haft in Syrien wurde der kurdische Journalist am 9.September 2026 an die Türkei ausgeliefert und am 11. September ins Istanbuler Metris-Gefängnis gebracht. Angehörige befürchten, dass er im Gefängnis verschwinden könnte.

Im Gespräch mit der TAZ kritisiert der Rechtsanwalt Roland Meister, der Michelmann juristisch vertrat, dass deutsche Stellen jegliche Unterstützung für Polad mit dem Verweis ablehnten, er sei kein deutscher Staatsbürger. „Dabei war klar, dass Polad als kurdischer Journalist in der Türkei Verfolgung ausgesetzt ist“, monierte Meister.

ETHA berichtete auch, dass Polads Vater seinen Sohn im Metris-Gefängnis kurz besuchen konnte. Er berichtete, dass er stark abgemagert und erschöpft gewirkt habe. Gegenüber seinem Vater erklärte Polad, dass er in den letzten acht Monaten im Gefängnis gefoltert wurde und längere Zeit einen Hungerstreik durchführte. Die Initiative „Freiheit für Eva und Ahmet“ fordert die unverzügliche Einlieferung von Polad in ein Krankenhaus, damit er die medizinisch notwendige Behandlung bekommt.

Auch Rechtsanwalt Meister erklärte gegenüber der taz, man werde versuchen, weiterhin Öffentlichkeit im Fall Polad herzustellen. „Es muss verhindert werden, dass Polad einfach in türkischen Gefängnissen verschwindet. Schließlich habe er in den kurdischen Gebieten nur seine journalistische Arbeit gemacht.“

Quellen:

taz.de/Eva-Maria-Michelmann-ueber-Haft-in-Syrien/!6202174/www.rf-news.de/2026/kw32/kurdischer-journalist-ahmet-polad-bald-200-tage-in-syrischer-isolationshaft

perspektive-online.net/2026/07/journalist-ahmet-polad-noch-immer-in-syrischen-foltergefaengnissen-verschollen/

mmm.verdi.de/aktuelle-meldungen/deutsche-journalistin-in-syrischer-isolationshaft-107445/

deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/seit-einem-monat-vermisst-sorge-um-zwei-journalist-innen-in-rojava-50522
evamichelmann-ahmetpolad.de

Text: Udo Reckmann (Stand der Recherche: September 2026)

Künstler: Udo Reckmann