Daphne Caruana Galizia, * Malta, ermordet Oktober 2017

 

 

Daphne Caruana Galizia war eine Investigativ-Journalistin und populäre Bloggerin.

Anfang der 1990er Jahre schrieb sie eine regelmäßige Kolumne in der The Sunday times und war Mitherausgeberin und Autorin des THE MALTA INDEPENDENT und war Herausgeberin des Magazins TASTE & FLAIR. Darüber hinaus schrieb sie den Blog RUNNING COMMENTARY, der Ergebnisse investigativen Journalismus’ enthält und Regierung und Opposition mit deutlichen Worten angriff. Ihr Blog war einer der meistgelesenen in Malta.

2016 war Caruana Galizia die Erste, die die Verwicklung des Energieministers und der Kabinettschef in den Panama-Papers-Skandal aufdeckte.

Sie hatten in Panama Briefkastenfirmen zur Geldwäsche unterhalten.

In der Folge wurde sie von dem Magazin POLITICO in das Ranking „POLITICO 28“ aufgenommen, das die 28 Personen auflistet, die Europa am meisten „formen, aufrütteln und anrühren“. Das Magazin bezeichnete sie als ein „Eine-Frau-Wikileaks“  und bescheinigte ihr, dass sie „einen Kreuzzug gegen Intransparenz und Korruption“ führe.

2017 schrieb sie, dass eine weitere Firma aus Panama der Frau von Premierminister gehörte. Diese Anschuldigungen führten dazu, dass Premierminister Muscat im Juni 2017 vorzeitige Parlamentswahlen anordnete, mit dem Ergebnis, dass seine Partei an der Regierung blieb.

Zwei Wochen vor dem tödlichen Autobomben-Anschlag hatte sie sich an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten hatte. Dennoch hatte sie keinen Personenschutz.

Malta ist eigentlich ein armes Land. Es lebt von Tourismus und Schiffsbau – und von „Briefkastenfirmen“. Die Insel ist ein Steuerparadies. Malta verlangt eine Körperschaftssteuer von nur 5 %. Da lohnt es sich für internationale Firmen, ein Tochterunternehmen auf Malta zu gründen. Die Gewinne werden dorthin verlagert, indem die Tochterfirma fiktive Kosten berechnet. Dieser Steuertrick ist legal. Illegale Praktiken enthüllten die „Panama Papers“des internationalen Recherchenetzwerks ICI, für das Galizias Sohn Matthew, ebenfalls Investigativ-Journalist, als Entwickler arbeitet.

Der sagte nach der Tat: „Meine Mutter wurde getötet, weil sie wie viele starke Journalisten zwischen dem Gesetz und jenen, die es missbrauchen wollen, stand.“

Galizias letzter Blogeintrag endete mit den Worten: „Wo du auch hinschaust, überall sind Ganoven. Die Lage ist verzweifelt.“Sie hinterlässt drei Söhne und einen Ehemann.

Die Regierung hat 1 Mio € Belohnung für Hinweise auf die Mörder ausgesetzt.

Erzbischof Sciluna sagte auf dem auf dem Trauergottesdienst: „Liebe Journalisten, wir brauchen Sie. Wir brauchen Menschen in Ihrem Beruf, die ungebunden sind, die frei sind, intelligent, wissbegierig, ehrlich, gelassen, sicher und beschützt.“

Inzwischen wurden drei Männer wegen Mordes angeklagt.

Künstlerin: Susanne Köhler