
Ahmed Abu Aziz, * Palästina / Gaza, getötet 2025
Ahmed Abu Aziz war freier Mitarbeiter mehrerer palästinensischer Medien und des tunesischen Radiosenders DIWAN FM. Nach Angaben der TAZ arbeitete er auch für das QUDS NEW NETWORK, dem Verbindungen zur Hamas nachgesagt werden. Kollegen beschrieben ihn als unermüdlichen, „nie aufhörenden“ Journalisten, der alle Teile des Gazastreifens bereiste, um Informationen für seine Berichte zu sammeln und obwohl ihm die Risiken bewusst waren.
Er war seit 2024 verheiratet und studierte Medienwissenschaft.
Abu Aziz starb durch den zweiten israelischen Angriff auf das Nasser-Krankenhaus in Khan Yunis (im südlichen Teil des Gazastreifens) am 25. August 2025. Am Morgen dieses Tages führte die israelische Armee um 10:08 Uhr Ortszeit einen ersten Angriff durch. Dabei wurde auf der Außentreppe der REUTERS-Kameramann Hussam al-Masri getötet, der seine Kamera für eine Live-Schalte aufgestellt hatte. Die Nachrichtenagentur REUTERS hatte seit Wochen von der entsprechenden Position aus Live-Bilder übertragen. Zudem war der Ort als Treffpunkt von Journalisten bekannt. Um 10:17 Uhr wurde der Ort des Einschlags, an den inzwischen Sanitäter, zivile Helfer und andere Journalisten geeilt waren, erneut getroffen. Recherchen konnten nachwiesen, dass nahezu zeitgleich zwei Panzergranaten an fast derselben Stelle einschlugen – was auf einen koordinierten Angriff von zwei Panzern hindeutet. Beim zweiten Angriff starben neben Abu Aziz die Journalist:innen Maryam Abu Daqqa, Muhammad Salama und Moaz Abu Taha. Abu Aziz Frau fand ihn. Er erlag im Laufe des Tages seinen schweren Verletzungen. Insgesamt wurden bei den israelischen Angriffen 22 Personen getötet. Das Nasser-Krankenhaus war zu diesem Zeitpunkt das einzige noch in Betrieb befindliche Krankenhaus im südlichen Gazastreifen. Ein Großteil des Hospitals ist mittlerweile zerstört.
Israels Ministerpräsident Netanyahu sprach später von einem „tragischen Unglück“ Die völkerrechtswidrige „Double Tap“-Taktik, die dazu dient, Rettungskräfte und Berichterstatter zu töten, wurde jedoch schon häufiger von Israels Armee eingesetzt. Im Gaza-Krieg kommt mutmaßlich das Ziel hinzu, palästinensische Medien zum Schweigen zu bringen und Zeugen israelischer Kriegsverbrechen zu beseitigen.
Die gezielte Tötung der Journalist:innen wurde international fast einhellig verurteilt und vom UNO-Generalsekretär als „Mord“ bezeichnet. Die israelische Armee sagte eine interne Untersuchung des Vorfalls zu, über deren Fortgang oder Ergebnis aber nichts weiter bekannt ist.
Von Oktober 2023 bis Ende 2025 wurden im Gazastreifen mindestens 210 Medienschaffende von der israelischen Armee getötet, so viele wie in keinem anderen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg.
Quellen: Wikipedia, The Guardian, Committee to Protect Journalists (CPJ), Reporter ohne Grenzen (RSF)
Künstler: Thomas Ormond
Text: Thomas Ormond
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