Noel Bellen Samar, *1961 Philippinen, ermordet 2025

Noel Bellen Samar war ein Radiojournalist auf den Philippinen. Er wurde 2025 ermordet.

Noel Bellen Samar, *1961 Philippinen, ermordet 2025

Der Radio-Journalist Noel Bellen Samar war durch sein Radioprogramm bekannt als „Mr Bull’s Eye“, als jemand, der die Dinge auf den Punkt bringt. Er arbeitete als Manager der KADUNONG INTERNET TV-STATION und für Sendeformate auf DWIZ NEWS FM LEGAZPI und DWBC in Libon, Albay. Samar hinterfragte lokale Machtstrukturen kritisch. Seine Sendungen befassten sich häufig mit Korruptionsvorwürfen gegen lokale Beamte und Missmanagement in der Verwaltung. In einer Region, die von starken politischen Fraktionen geprägt ist, kommentierte er oft die lokalen Machtkämpfe und deren Auswirkungen auf die Gemeinschaft oder  von Infrastrukturproblemen bis hin zur Sicherheit in der Region. Als „Mr. Bull’s Eye“ griff er Themen auf, die die Lebensqualität und Sicherheit der Bewohner von Albay betrafen, wozu in dieser Region regelmäßig auch Umweltfragen und Landnutzung gehören. In Kommentaren zu seinem Fall wurde explizit erwähnt, dass er möglicherweise über Unregelmäßigkeiten beim Abbau von Gestein und Sand (Quarrying) in der Provinz Albay berichten wollte oder berichtet hatte. Es wurde angedeutet, dass er Anomalien bei Infrastrukturprojekten im Bereich des Hochwasserschutzes untersuchte, die ebenfalls eng mit Umweltmanagement und lokaler Korruption verknüpft sind. So veröffentlichte er zum Beispiel im November 2020 aufschlussreiche Fotos von den verheerenden Schäden an Deichen und Straßen, die der Tropensturm «Vamco» hinterlassen hatte. Waren Baumängel eine der Ursachen dafür, dass  70 Menschen an den Folgen des Taifuns starben? Ein wiederkehrendes Thema seiner Arbeit war die Forderung nach Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit.

Am Morgen des 20. Oktober 2025 war der 54-Jährige mit seinem Motorrad in der zentral gelegenen Provinz Albay auf der Insel Luzon unterwegs. Er wurde aus dem Hinterhalt angeschossen. Die zwei Attentäter, die ebenfalls auf einem Motorrad unterwegs waren, konnten entkommen. 

Der Journalist erlitt vier Schusswunden und starb am 21. Oktober nach einer Operation im Bicol Regional Hospital. Das erklärte die Task Force des Präsidenten für Mediensicherheit (Presidential Task Force on Media Security, PTFOMS), eine staatliche Stelle, die mit der Untersuchung von Morden an Medienvertretern beauftragt ist.

Die Polizei gab sofort bekannt, dass sie eine Fahndung eingeleitet und Kontrollpunkte eingerichtet hat, um die Attentäter zu fassen. Die PTFOMS verurteilte den „dreisten Angriff“ in einer Erklärung und fügte hinzu, dass sie ein Team entsandt habe, um eine „gründliche, unparteiische und schnelle Untersuchung sicherzustellen“.

Verschiedene Mediengruppen auf den Philippinen und außerhalb trauern um das Opfer und verurteilen das Verbrechen. 

„Diese Gewalt ist ein deutlicher Angriff nicht nur auf ihn, sondern auch auf die Freiheit der Presse in Bezug auf öffentliche Belange, von denen die Öffentlichkeit das Recht hat, informiert zu werden“, gab das Management von  DWIZ NEWS FM LEGAZPI bekannt. 

Die Provinzregierung von Albay (PGA) sicherte den Behörden ihre Unterstützung zu, um eine schnelle Prüfung des Falls zu gewährleisten. 

„Selbstverständlich rechtfertigen unterschiedliche politische Ansichten und soziale Einstellungen nicht solche ungesetzlichen Attacken, Einschüchterung oder Schikane. Kritiker und Opponenten einfach zum Schweigen zu bringen, hat keinen Platz in einer demokratischen Gesellschaft.“

Shawn Crispin, der Vertreter des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) für Südostasien forderte: 

„Die Behörden müssen alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Täter (…)  zu identifizieren, zu fassen und strafrechtlich zu verfolgen. Solange die Regierung von Präsident Ferdinand Marcos Jr. nicht zeigt, dass sie es ernst meint mit der Beendigung der Straflosigkeit, werden solche mutwilligen Angriffe auf Journalisten weitergehen.“

Auch Reporter ohne Grenzen (RSF) drängt auf eine sorgfältige Aufklärung des Mords an dem Radio-Journalisten. 

Audrey Azoulay, Generaldirektroin der UNESCO, verurteilt das Attentat auf Noel Bellen Samar und fordert ebenfalls eine gründliche Aufklärung des Falls. „Straffreiheit für die Verbrechen gegen Journalisten darf nicht toleriert werden, weil sie alle Journalisten davon abhalten könnte, ihren Beruf auszuüben.“

Die Philippinen belegen den neunten Platz im aktuellen Index für Straffreiheit (Impunity Index) des CPJ, einer weltweiten Rangliste derjenigen Länder, in denen die Mörder von Journalist:innen am ehesten ungestraft bleiben. Die Philippinen sind seit der Einführung des Indexes im Jahr 2008 fast jedes Jahr darin vertreten und stehen 2025 an neunter Stelle. Seit Amtsantritt von Präsident Ferdinand Marcos Jr im Juni 2022 ist Samar der achte Radio-Journalist, der auf den Philippinen getötet wurde. Bei zwei der Fälle ergab sich eine deutliche Verbindung zu ihrer Arbeit als Journalisten, die restlichen sechs sind noch nicht abgeschlossen. 

Weil die Bevölkerung des Landes auf Tausenden von Inseln verteilt lebt, spielt die Radio-Berichterstattung eine bedeutende Rolle, und diese Journalisten bezahlen eine entschiedene und kritische Berichterstattung oft mit ihrem Leben. Seit der Wiedereinführung der Demokratie im Jahre 1986 sind mindesten 147 Journalist:innen getötet worden. Für das Jahr 2025 rangieren die Philippinen auf Platz 116 von 180 Ländern im Weltpresse- Freiheits-Index (World Press Freedom Index) des RSF.

Quellen:www.bulatlat.org, RSF, CPJ, UNESCO, FACEBOOK, www.cmfr-phil.org, www.pna.gov.ph, RAPPLER

Text: Anne Chavez (Dezember 2025) und Susanne Köhler

Künstlerin: Karin Herr