Ayman Mohamad Al-Gharbawi, * Palästina / Gaza, getötet 2024 Palästina / Gaza
Ayman Mohamad Al-Gharbawi, * Palästina / Gaza, getötet 2024 Palästina / Gaza Ayman Mohamad Al-Gharbawi war ein freiberuflich arbeitender palästinensischer Fotojournalist. Am 26. April 2024 war Ayman Mohammad Al-Gharbawi zusammen mit seinem Bruder Ibrahimim Hamad-Viertel von Khan Yunis im südlichen Gazastreifen unterwegs und machten Filmaufnahmen mit einer Drohne. Bei einem Luftangriff er israelischen Armee mit…
Ibrahim Mohamad Al-Gharbawi, * Palästina / Gaza, getötet 2024 in Palästina / Gaza
Ibrahim Mohamad Al-Gharbawi, * Palästina / Gaza, getötet 2024 in Palästina / Gaza Ibrahim Mohamad Al-Gharbawi war ein freiberuflich arbeitender palästinensischer Fotojournalist. Am 26. April 2024 war er zusammen mit seinem Bruder Ayman im Hamad-Viertel von Khan Yunis im südlichen Gazastreifen unterwegs und filmten mit einer Drohne das Kriegsgeschehen. Bei einem israelischen Drohnenangriff wurden beide Journalisten…
Saed al-Halabi, * Palästina, getötet 2023 in Palästina/Gaza
Saed al-Halabi, * Palästina, getötet 2023 in Palästina/Gaza Saed al-Halabi arbeitete bei dem Fernsehsender AL-AQSA TV, der der regierenden Organisation Hamas nahe steht. Er wurde am 25.Oktober 2023 durch einen israelischen Luftangriff im Jabalia Flüchtlingscamp im Norden des Gaza-Streifens getötet. Dies berichtete das „Palestinian Journalists Syndicate“, die palästinensische Gruppe für Pressefreiheit „Mada“ und der Sender…
Mohammed Ali, * Palästina, getötet in Palästina / Gaza 2023
Mohammed Ali, * Palästina, getötet in Palästina / Gaza 2023 Mohammed Ali war ein Journalist, der für das Jugendradio AL-SHABAB RADIO in Gaza / Palästina arbeitete. Er starb am 20. Oktober 2023 während der Arbeit bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen. Quellen: Palestinian Journalists Syndicate, AL-DOSTOR aus Kairo Künstler: Gianluca Costantini
Mohammad Balousha, * Palästina, getötet 2023 in Palästina / Gaza
Mohammad Balousha, * Palästina, getötet 2023 in Palästina / Gaza Mohammad Balousha war ein palästinensischer Fernseh-Journalist. Er arbeitete als Verwaltungs- und Finanzleiter des Büros bei dem lokalen Medienkanals PALESTINE TODAY in Gaza. Am 17. Oktober 2023 wurde er bei einem israelischen Luftangriff auf das Viertel Al-Saftawi im Norden des Gazastreifens getötet. Quellen: ANADOLU, THE GUARDIAN,…
Yousef Maher Dawas, * 2004 Palästina / Gaza, getötet 2024 Gaza
Yousef Maher Dawas, * 2004 Palästina / Gaza, getötet 2024 Gaza Yousef Maher Dawas war ein freier Autor für THE PALESTINE CHRONICLE und Autor für „We Are Not Numbers“ (WANN), ein von Jugendlichen geführtes palästinensisches Non-Profit-Projekt. Er wurde am 14. Oktober 2023 bei einem israelischen Raketenangriff auf das Haus seiner Familie in der Stadt Beit Lahia…
Mohammad Jarghoun, * Palästina, getötet 2023 Palästina / Gaza
Mohammad Jarghoun, * Palästina, getötet 2023 Palästina / Gaza Mohammad Jarghoun war ein Internet-Journalist, der für SMART MEDIA arbeitete. Am 7.Oktober 2023 wurde er erschossen, während er östlich von Rafah City im südlichen Gazastreifen über den Konflikt in der Region berichtete. Quelle: MADA, JSC, BBC, UNESCO Künstler: Gianluca Costantini
Shireen Abu Akleh, * 1971 Israel, ermordet 2022 Westjordanland
Shireen Abu Akleh, * 1971 Israel, ermordet 2022 Westjordanland Shireen Abu Akleh studierte zunächst Architektur an der Jordanischen Universität für Wissenschaft und Technologie. Später wechselte sie an die Yarmuk-Universität in Jordanien, wo sie einen Bachelor in Printjournalismus erwarb. Von 1997 bis zu ihrem Tod arbeitete sie als Journalistin für den Nachrichtensender AL JAZEERA. Sie lebte und…
Mantas Kvedaravicius * 1975 Litauen, getötet 2022 Ukraine
Mantas Kvedaravicius * 1975 Litauen, getötet 2022 Ukraine Der litauische Dokumentarfilmer Mantas Kvedaravicius war bekannt für seine Filmreportagen über militärische Konflikte in Tschetschenien und der Ukraine. Sein Film „Barzakh“ aus dem Jahr 2011, der in Tschetschenien spielt, wurde mit dem Amnesty International Film Prize ausgezeichnet. Sein Film „Mariupolis“ hatte 2016 beim Internationalen Filmfestival Berlinale Premiere. Im…
Pierre Zakrzewski, * 1966 Frankreich, getötet 2022 in der Ukraine
Pierre Zakrzewski, * 1966 Frankreich, getötet 2022 in der Ukraine Der französisch-irische Fotojournalist Pierre Zakrzewski arbeitete zunächst als Freelancer und später als Journalist und Kameramann für den U.S.-Sender FOX NEWS. Er galt als Freigeist und es fiel ihm nicht leicht, sich den Anforderungen eines Senders unterzuordnen. Aber diese Konstellation brachte ihm mehr Sicherheit. Er galt als…
Oleksandra Kuvshynova, *1997 Frankreich, getötet 2022 in der Ukraine
Oleksandra Kuvshynova, *1997 Frankreich, getötet 2022 in der Ukraine Oleksandra Kuvshynova kam in Paris zur Welt. Sie arbeitete während und nach ihrem Studiums an unterschiedlichen Projekten in Kiew. „Sasha“, wie sie hier genannt wurde, gründete ein Jazz-Musikfestival, arbeitete als DJ, sie schrieb Gedichte und war als Fotografin tätig, vor allem in den Bereichen street photography, Porträt-Fotografie…
Fung Wai-Kong * 1964 Hongkong/ britische Kronkolonie, verhaftet 2021 in Hongkong / VR China
Fung Wai-Kong * 1964 Hongkong/ britische Kronkolonie, verhaftet 2021 in Hongkong / VR China Fung Wai-Kong arbeitete zuletzt als leitender Kommentator bei der prodemokratischen Hongkonger Zeitung APPLE DAILY. Die Zeitung hatte die Demokratiebewegung in Hongkong umfassend unterstützt. Im Juni 2020 fügte Peking nach einem Jahr pro-demokratischer Proteste und Unruhen Gesetze zur nationalen Sicherheit direkt in die Mini-Verfassung…
Hisham Fouad, * Ägypten, in Haft seit 2019
Hisham Fouad, * Ägypten, in Haft seit 2019 Hisham Fouad ist freiberuflicher Journalisten und Kolumnist. Die ägyptische Polizei hatte Fouad am 25. Juni 2019 in seiner Wohnungen in Kairo festgenommen. Auch Hossam Moanis einen Reporter der privaten Lokalzeitung AL-KARAMA, wurde am selben Tag in seine Wohnung festgenommen. Das Notstandsgericht für Ordnungswidrigkeiten in Kairo verurteilte Fouad und…
Raschid Maysigov, * Russland/ Inguschetien, in Haft seit 2019 und Hausarrest
Raschid Maysigov, * Russland/ Inguschetien, in Haft seit 2019 und Hausarrest Maysigov stammt aus Nasran in der kleinen autonomen Republik Inguschetien im russischen Nordkaukasus, deren Südspitze an Georgien reicht. Der mutige Aktivist und Journalist berichtete über Korruption und Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat. Er arbeitete bei der regimekritischen Online-Nachrichten-Seite FORTANGA. Diese wurde im Zuge eines umstrittenen Landdeals zwischen…
Can Dündar, * 1961 Türkei, 2015 festgenommen und angeklagt in der Türkei, lebt im deutschen Exil
Can Dündar, * 1961 Türkei, 2015 festgenommen und angeklagt in der Türkei, lebt im deutschen Exil Can Dündar ist ein türkischer Journalist, Dokumentarfilmer und Buchautor. Der auch als Fernsehmoderator arbeitende Kolumnist und ehemalige Chefredakteur der Zeitung CUMHURIYET wurde 2015 der Spionage angeklagt und festgenommen. Am 6. Mai 2016 wurde Dündar der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen für schuldig befunden.…
Temesgen Gebreyesus, * Eritrea, in Haft seit 2001
Temesgen Gebreyesus, * Eritrea, in Haft seit 2001 Temesgen Gebreyesus ist nicht nur Journalist, sondern auch Schauspieler, der in gefeierten Theaterstücken auftrat und für seinen Sinn für Humor und seine Fähigkeiten als guter Kameramann bekannt ist. Er wurde 2001 zusammen mit 16 weiteren Journalisten verhaftet, weil er über den „G-15-Brief“ berichtet hatte: einen offenen Brief prominenter…
GIANLUCA COSTANTINI UND WAHRHEITSKÄMPFER: DIE GESICHTER VERFOLGTER JOURNALISTEN ZEICHNEN
Eine Zusammenarbeit rund um Porträts, Erinnerung und Pressefreiheit, die die Gesichter von getöteten, inhaftierten oder verfolgten Journalisten in ein visuelles Archiv gegen das Vergessen verwandelt
Seit mehr als zwanzig Jahren nutzt Gianluca Costantini das Zeichnen als Form des politischen Zeugnisses und konzentriert sich dabei insbesondere auf Menschenrechte, politische Gefangene, Aktivisten und Journalisten, die wegen ihrer Arbeit verfolgt werden. Dieses Engagement hat eine natürliche Verbindung zum deutschen Projekt Wahrheitskämpfer gefunden, einer Initiative, die sich der Schaffung eines visuellen Denkmals für Journalisten widmet, die weltweit getötet, inhaftiert oder verfolgt wurden. (…)
Deren Ansatz hat viel mit Costantinis eigener Praxis gemeinsam. Im Laufe der Jahre hat er das Zeichnen als Instrument der Kunst, des Zeugnisses und des Aktivismus entwickelt und nutzt Porträts, um Menschen, die sonst hinter Statistiken, Schlagzeilen und Opferzahlen verschwinden würden, ihre individuelle Identität zurückzugeben.
Ein Porträt ist nicht einfach nur die Illustration einer Nachricht. Zeichnen erfordert Zeit: ein Gesicht betrachten, es studieren, seine Züge nachzeichnen und gleichzeitig die Geschichte der dargestellten Person kennenlernen. Das so entstandene Bild kann dann eigenständig in Umlauf gebracht werden – durch Ausstellungen, Zeitungen, Kampagnen, Demonstrationen und digitale Plattformen. Wie in „The Performative Drawing“ untersucht wird, erhalten Costantinis Zeichnungen oft neue Bedeutungen, wenn sie die Hände des Künstlers verlassen und von Aktivisten und Gemeinschaften im öffentlichen Raum genutzt werden.
Durch die Zusammenarbeit mit „Wahrheitskämpfer“ ist eine beträchtliche Anzahl von Costantinis Porträts in das Archiv des Projekts gelangt. Eine eigene Seite auf „Wahrheitskämpfer“ sammelt seine Beiträge und verbindet Journalisten aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Zeitabschnitten der jüngeren Geschichte der Angriffe auf die Pressefreiheit.
Zu ihnen gehört Shireen Abu Akleh, die Al-Jazeera-Journalistin, die 2022 bei ihrer Berichterstattung im besetzten Westjordanland getötet wurde. Das Archiv umfasst zudem Costantinis Porträts von Journalisten und Medienmitarbeitern, die während der russischen Invasion in der Ukraine ums Leben kamen, darunter der litauische Filmemacher Mantas Kvedaravičius, der französisch-irische Kameramann Pierre Zakrzewski sowie die ukrainische Journalistin und Produzentin Oleksandra Kuvshynova.
Andere Porträts zeigen Journalisten, die nicht den Tod, sondern Inhaftierung oder Verfolgung erlitten haben. Dazu gehören Fung Wai-Kong, leitender Redakteur und Kommentator der pro-demokratischen Hongkonger Zeitung Apple Daily; der ägyptische Journalist Hisham Fouad; der inguschetische Journalist Rashid Maysigov; den türkischen Journalisten und ehemaligen Chefredakteur der Cumhuriyet, Can Dündar, der im deutschen Exil lebt; sowie den eritreischen Journalisten Temesgen Gebreyesus, der seit 2001 inhaftiert ist.
Eritrea nimmt seit vielen Jahren einen wichtigen Platz in Costantinis Arbeit zur Pressefreiheit ein. Seine Porträts wurden genutzt, um die Erinnerung an Journalisten und Reformer wachzuhalten, die während der Unterdrückungswelle des Landes im Jahr 2001 verschwanden. Im Jahr 2025 kehrten diese Gesichter im Rahmen einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer in den öffentlichen Raum von Bologna zurück – eine Aktion, die von ChannelDraw in „Giving Voice to the Silenced: Remembering Eritrea’s 2001 Victims in Bologna“ dokumentiert wurde.
Ein besonders bedeutender Teil von Costantinis Beitrag zu „Wahrheitskämpfer“ betrifft palästinensische Journalisten und Medienmitarbeiter, die in Gaza getötet wurden. Die dem Projekt gewidmete Seite enthält unter anderem seine Porträts von Ayman Mohamad Al-Gharbawi, Ibrahim Mohamad Al-Gharbawi, Saed al-Halabi, Mohammed Ali, Mohammad Balousha, Yousef Maher Dawas und Mohammad Jarghoun.
Seit Oktober 2023 haben sich die Porträts der in Gaza getöteten Journalisten zu einem der umfangreichsten Projekte Costantinis zum Thema Pressefreiheit entwickelt. Auf der Grundlage von Dokumentationen des „Committee to Protect Journalists“ hat er nach und nach ein visuelles Denkmal geschaffen, in dem jeder Todesfall durch ein Gesicht repräsentiert wird. Aus dieser Arbeit entstand die Ausstellung Nel mirino della memoria, die speziell den Porträts von in Palästina getöteten Journalisten gewidmet ist.
Die Anhäufung dieser Gesichter ist entscheidend für die Bedeutung des Projekts. Für sich genommen erzählt jede Zeichnung die Geschichte einer einzelnen Person. Im Zusammenspiel schaffen sie etwas anderes: eine visuelle Geografie der Unterdrückung des Journalismus.
Hongkong, Ägypten, die Türkei, Eritrea, die Ukraine, Palästina und andere Orte werden durch die Erfahrungen von Menschen miteinander verbunden, die inhaftiert, ins Exil gezwungen oder getötet wurden, weil sie Ereignisse dokumentierten, die Machthaber hinterfragten oder einfach nur ihre Arbeit fortsetzten.
Für Costantini ist diese Beziehung zwischen Zeichnung und Zensur auch eine persönliche Angelegenheit. Im Jahr 2016 nahm die türkische Regierung seinen Namen in einen Gerichtsbeschluss auf, der die Sperrung von Online-Inhalten forderte, und warf einer seiner Zeichnungen vor, Terrorismus zu fördern. Zehn Jahre später rekonstruierte er diese Erfahrung in Ten Years Later: When a Drawing Became „Terrorism“ und untersuchte, wie ein Bild selbst zum Ziel politischer Unterdrückung werden kann. (…)
Die Ausstellungen sind zudem als Räume des Handelns konzipiert. Besucher*innen können sich über inhaftierte Journalist*innen informieren, Petitionen unterzeichnen und an Briefkampagnen teilnehmen. Auf diese Weise geht die Porträtkunst über das Gedenken hinaus: Das Bild wird zum Ausgangspunkt für das Engagement für Menschen, deren Schicksal noch gewendet werden kann.
Diese Idee ist zentral für Costantinis Gesamtwerk. Seine Zeichnungen bleiben nicht unbedingt Zeichnungen: Sie können zu Plakaten, Bannern, Protestschildern, Gedenkstätten und Instrumenten für Kampagnen werden. Die zwanzig Jahre Menschenrechtsarbeit, die in Ceasefire 2005–2025 ( twenty years of human-rights work collected in Ceasefire 2005–2025 ) zusammengefasst sind, zeigen, wie dieselbe Bildsprache zwischen Kunst, Journalismus, politischem Handeln und kollektivem Gedächtnis wechseln kann.
Hier wird die Zusammenarbeit zwischen Gianluca Costantini und Wahrheitskämpfer vielleicht am bedeutungsvollsten. Beide Arbeitsweisen basieren auf der Idee, dass das Zeichnen dem Vergessen widerstehen kann.
Ein im Krieg getöteter Journalist kann zu einer Nummer in einem Opferbericht werden. Ein seit Jahren inhaftierter Reporter kann nach und nach aus dem internationalen Blickfeld verschwinden. Ein ins Exil getriebener Journalist kann den Bezug zu dem Land und der Öffentlichkeit verlieren, an die er sich einst wandte.
Ein Porträt wirkt in die entgegengesetzte Richtung.
Es gibt einem Gesicht wieder Gestalt.
Es fordert uns auf, hinzuschauen.
Und indem es uns auffordert, uns an das Gesicht zu erinnern, fordert es uns auf, uns an die Geschichte zu erinnern.
(Text: Gianluca Constantini, 2026)
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